DUMONT Reise-Taschenbuch Madeira
DUMONT Reise-Taschenbuch Madeira

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Unglaublich

13. Januar 2011

DUMONT Reise-Taschenbuch Madeira

„Informativ, materialreich, gut aufbereitet“ stünde in der Bewertung dieses Reiseführers, wenn sich nicht das Fehlerteufelchen eingeschlichen hätte.

Da geht beispielsweise der Reiseführer auf die Entdeckungstour der Fort- und Wachtürme Machicos mit dem Foto einer Kanone von Madeiras Nachbarinsel Porto Santo. Da steht beispielsweise zu lesen, das Wort „Quinta“ (Landgut) leite sich ab von dem fünften Teil (quinta parte) der Ernte, den die Bauern den Herren entrichten müssten. In Wahrheit aber stammt das Wort
Quinta von lateinisch Quintana (Feldweg, Marktstraße). Auch bei dem offiziellen Amtssitz des Regierungspräsidenten von Madeira hat das Fehlerteufelchen Unfug angestellt. Der Reiseführer spricht da von Behördenstuben im Grünen. Der Bio-Markt von Funchal erhält falsche Öffnungszeiten, der Mietwagenverleih ungenaue Preise, ein Öko-Projekt wird erwähnt, das seit langem nicht mehr existiert, ebenso wie die Flugschule des deutschen Paragliders, der längst nur noch privat fliegt. Bei der Auswahl der Unterkünfte regiert die Willkür, zum Beispiel fehlt auf der Nachbarinsel Porto Santo namentlich das Traditionshotel Torre Praia. Sozialkritische Reflexionen fallen zugunsten von Schönfärberei unter den Tisch. Der Ort Camâra de Lobos ist wirtschaftlich extrem abgerutscht. „Für Hafenromantiker“ preist der Reiseführer eine Kneipe unter dem Titel „Abends & Nachts“ an, die Tische vor die Hintertür am Hafen stelle. Allzu oft aber kippt Camâra de Lobos' Romantik in Schlägereien und Diebstahl um.

Die Stärken des Reiseführers liegen im geschichtlichen Teil. Selten liest man so komprimiert und gleichzeitig fundiert über die Besiedlung Madeiras. Auch die Ausführungen über den Lorbeerwald, die Unterwasser- und Vogelwelt sowie die Geschichte des Weinanbaus sind ausgesprochen prägnant und verständlich geschrieben.

Die Wandertipps sind gut. Wer auf Madeira häufiger wandern will, benötigt einen richtigen Wanderführer, wer aber nur ein bisschen schnuppern möchte, kommt vielleicht mit den Hinweisen aus dem Reiseführer schon aus. Ausgezeichnet die Madeira-Karte im Buch, mit der man sich gut zurechtfindet.

Ebenfalls positiv hervorzuheben: die „Lieblingsorte“ - und die zahlreichen Hinweise zu Restaurants und Bars, sowohl in Funchal als auch auf dem Land: darauf kann mann sich verlassen.

Manches in diesem Reiseführer wirkt positiv übertrieben. „Auf dem Weg zu Trenddestination“ sei Madeira, meint Susanne Lipps. Das angestaubte Image habe Madeira aufgefrischt und warte mit Design-Hotels, innovativer Gastronomie und gar mit Öko-Tourismus auf. Schön wär's, mag mancher Tourismus-Profi auf der Insel seufzen. Die neuen Wege im Tourismus werden doch noch arg zaghaft begangen. Genauso wenig hat sich Funchal zu einer Kunst-Metropole gemausert, in der „derzeit eine Kunstgalerie nach der anderen“ eröffnet.
Es sind auch immer noch die „traditionellen“ Touristen auf Madeira, die mit dem Dumont-Wanderführer unterwegs sind: naturbegeisterte, wanderlustige, neugierige Reisende.

Der Reiseführer bedarf einer Überarbeitung und Aktualisierung. Wenn das geschieht, ist er richtig gut.

DUMONT Reise-Taschenbuch Madeira, 288 Seiten, 1. Auflage 2009, EUR 14,95

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