Landebahn Madeira
Von Santa Cruz aus ist die plateau-förmige Anlage der Landebahn gut zu erkennen

Druckansicht

Cristiano-Ronald-Flughafen Madeira

18. November 2018

Aufhebung der Landeverbote bei starkem Wind?

eins - Der Wind macht die Madeira-Flüge teuer. Starker Wind verursacht immer wieder, daß die Rollbahn für Stunden gesperrt wird. In solchen Fällen drehen Flugzeuge ab. Sie fliegen zurück oder landen woanders. Oft müssen für jeweils 200 Passagiere und Personal Übernachtungen organisiert und bezahlt werden – und dasselbe gleich noch einmal für die Passagiere, die auf Madeira zurückbleiben, weil ihr Flugzeug nicht ankommt.

Das ist kostspielig. Auch das Landen und Starten außerhalb der Flugroute schlägt zu Buche. Die Mehrkosten, die die zahlreichen Lande- und Startverbote auf Madeira den Fluggesellschaften aufbürden, werden in die Ticketpreis-Kalkulationen eingerechnet. Dadurch steigen aber nicht nur die Kosten. Die Sperrzeiten bingen alles durcheinander: die Flugpläne, die Arbeitszeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Flughäfen, und vor allem die Urlaubspläne der Passagiere.

Kein Wunder, daß es Bestrebungen gibt, die Windlimits der Flughafendirektion aufzulockern. Anders ausgedrückt, den starken Wind zu einem mäßigen abzustufen.

Die Sachlage ist einfach. Weil der Flughafen plateauförmig über der Südostküste Madeiras angelegt wurde, schon fast auf Meeres-Niveau, während auf der Landseite die Berge steil aufragen, kommt es beständig zu Fallwinden auf Höhe der Landebahn. Seit April diesen Jahres treten Seitenwinde - für Madeira eher ungewöhnlich aus West - hinzu. Nur erfahrene Piloten mit Zusatzschulung werden auf die Madeira-Tour geschickt. Das Geschaukel kurz vor der Landung ist ein Tanz der Sinne, der mit Rationalität zu Ende gebracht werden muß.

Die Flughafendirektion sperrt die Rollbahn, wenn Windböen die Geschwindigkeit von 25 oder 30 Knoten überschreiten. Das Limit von 25 Knoten bezieht sich auf die Landerichtung von Südwesten nach Nordosten. Ohnehin die schwierigere, weil das Flugzeug aus der 180° - Kurve heraus landet und der Pilot wegen der bescheidenen technischen Ausrüstung im Tower nicht die gewohnten Hilfen bekommt. Kann das Flugzeug hingegen aus dem Nordosten landen - was selten der Fall - ist der Landevorgang einfacher und es gilt ein höheres Limit von 30 Knoten. Rechnet man die Knoten in "Stundenkilometer" um, gibt es Grund zur Verwunderung. Mit nur 46,3 km/h respektive 55,56 km/h ist die Windgeschwindigkeit, die bei Überschreitung zur Sperrung der Rollbahn führt, erstaunlich niedrig. Darum fordern die Befürworter einer Limitlockerung, daß nicht die Flughafendirektion, sondern die Piloten selber entscheiden sollen, ob sie landen können oder nicht.

Ein Pilot, der während seiner 50jährigen Dienstzeit circa acht Tausend Mal Madeira angeflogen hat, heißt Timotéo Costa. Costa ist einer der prominentesten unter den Befürwortern. Die madeirensische Tageszeitung „ Diario de Noticias“ berichtete jüngst von seiner Liste schwerer und leichter Unfälle der madeirensischen Luftfahrt der vergangenen Jahrzehnte. Sehr oft waren Kollisionen mit Vögeln ("bird strikes") ein Grund dafür, den Start abzubrechen; einmal hat eine Sportmaschine einen Looping über dem Flughafengelände versucht und ist dabei auf die Erde geknallt. Auch ist in der Vergangenheit ein Flugzeug ohne Erlaubnis des Towers gestartet und in der Luft beinahe mit einer Maschine im Landeanflug zusammengestoßen.

Costas Fazit: Die meisten Unfälle oder Fast-Unfälle auf Madeira waren dem menschlichen Versagen geschuldet, kaum eine Begebenheit hatte mit den Windverhältnissen zu tun.

Mit dieser Ansicht bringt der altgediente Pilot faktisch ein Argument für die Beibehaltung der Windlimits. Denn wahrscheinlich haben die Limits gerade wegen ihrer Rigidität Unfälle vermieden. Dementsprechend will die TAP, Portugals ehemalige Staatsflotte am Himmel, an den Limits nichts verändert sehen. Doch die TAP hat gut Reden. Denn das inzwischen privatisierte Unternehmen leidet am geringsten unter den Sperrungen. Während die Mittelstreckenflieger aus Berlin, Kopenhagen oder Warschau meistens erst nach drei Flugstunden erfahren, daß sie nicht auf Madeira landen können, fliegt die TAP Madeira nur per Kurzstrecke an. Das Umkehren in der Luft ist deshalb nicht so kostspielig. Meist aber fliegen die Maschinen aus Lissabon oder Porto erst gar nicht los und die Passagiere werden auf Folgeflüge umgebucht. Das ist ärgerlich für die Passagiere, für das Unternehmen kann es sogar eine Ersparnis bedeuten. Der geplante Flug fällt aus, und die folgenden Linienflüge sind bestens ausgelastet.

Der Wettstreit der Meinungen hat begonnen. Wie er endet, darüber werden wir berichten.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden