Demo auf dem Kai von Ponta do Sol
Demonstranten gegen Fischzuchtkäfige
Boots-Demo Ponta do Sol
Motorboote und Sportboote demonstrierten mit
Demonstration Kai Ponta do Sol
Die Demonstranten winken dem ersten abziehenden Polizeiboot nach

Boots-Demo Ponta do Sol

Demonstration gegen Fischzuchtkäfige Ponta do Sol
Engagierte Gespräche bei der Demonstration

Boots-Demo Ponta do Sol

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Weitere Fischzuchtkäfige an Madeiras Südwestküste?

16. August 2018

Bürgerprotest an Land und auf dem Meer

sts - „Einen solchen Protest der Bevölkerung gab es in Ponta do Sol zuletzt 1962. Bei der Wasserrevolte in Lombada,“ erläutert eine der Aktivistinnen auf dem Kai von Ponta do Sol. Fast sechzig Jahre später versammeln sich hundert Demonstranten und viele Neugierige auf dem gemauerten Steg ins Wasser hinein. Ein großes Transparent haben sie am Kai befestigt: Aquacultura Nao! - Nein zur Fischzucht im Wasser vor Ponta do Sol. Die Demonstranten blicken auf acht motorisierte Freizeit- und Fischerboote und ein Dutzend Sportler auf Kajaks und SUP-Brettern, die sich auf dem Wasser unterhalb des Kais versammelt haben, um zu protestieren. „Nein zu den Käfigen! Das Meer gehört allen!“ steht auf Plakaten, die auf den Booten in die Höhe gereckt werden.

In der Abenddämmerung noch gut sichtbar die Bojen, die den zukünftigen Standort der Fischzuchtanlage markieren: sicherlich keine vier Kilometer vom Strand entfernt, wie es die Betreiber angeblich versprachen. Zwei Boote der Policia Maritima sichern die Szene. Einer der Aktivisten hatte im Vorfeld angekündigt, die Taue zu den Bojen zu kappen. Doch die Demonstration ist friedlich. Die Menschen sind im Gespräch miteinander. Über parteipolitische Grenzen hinweg ist man sich hier einig: die Fischzuchtanlage hat vor Ponta do Sol nichts zu suchen. Auch die sozialistische Bürgermeisterin betreibt hier keine Parteipolitik, noch die beiden Stadträte der anderen Parteien.

„Sie zerstören die Aussicht von unserer Stadt“, schimpfen einige. „Fischzuchtkäfige bedeuten eine Verschmutzung des Meeres – durch das Futter, die zugesetzten Medikamente, die Ausscheidungen der Fische,“ erläutert eine Frau, warum sie mit demonstriert. „Zu einem vom Tourismus geprägten Ort gehört das am allerwenigsten.“

Gegrillte Doraden sind ein Genuss. Im Supermarkt kostet das Kilo etwas mehr als fünf Euro. Mild im Geschmack, nicht zu viele Gräten, da braucht man nur eine Hand voll frischer Kräuter, etwas Salz und Knoblauch. Ob die appetitlichen Meeresbewohner in der Supermarktauslage aus den Fischzuchtkäfigen vor der Südküste Madeiras stammen, weiß die Verkäuferin nicht. Wahrscheinlich schon. Legendär die Freude der Freizeitangler, als bei Ribeira Brava nach einem heftigen Sturm die Doraden aus den Käfigen weggeschwommen waren.
Solche Anlagen gibt es inzwischen von Caniçal bis Calheta. Zwei weitere Anlagen mit je zehn runden Käfigen sollen vor Ponta do Sol gebaut werden.

Neue Wege der Lebensmittelproduktion für eine wachsende Menschheit sind absolut notwendig. Ob Fischzucht-Käfige vor Touristenstränden eine gute Wahl sind, ist fraglich.

Bei der Wasser-Revolte im Jahr 1962 demonstrierte die arme Landbevölkerung gegen ein ungerechte Levadawasser-Verteilung der Diktatur. Dabei wurde eine 17 jährige Frau erschossen (siehe auch Der Kampf ums Wasser). So weit wird es bei dieser Demonstration wohl nicht kommen, obwohl die Demonstranten mit ihren trommelnden lauten Schlägen auf die Boote die Kontrolle durch die Meeres-Polizei kritisieren und johlend und winkend den „Abzug“ eines der Polizeiboote quittieren.

Die Diktatur ist auch auf Madeira seit 1974 beendet, doch ein zunehmend starres System der herrschenden Sozialdemokratie behinderte – natürlich inoffiziell und durch perfide Sanktionen – kritische politische Äußerungen. Diese Zeiten sind nun auch im Südwesten Madeiras vorbei. Wie schon im Osten der Insel die Aktion „Junto Pelo Povo“ (gemeinsam für das Volk) sammeln sich nun auch hier kritische und nachdenkliche Bürgerinnen und Bürger, um sich Gehör zu verschaffen.

„Große Tiere“, womöglich gar „Haie“ der Regional-Politik braucht der gemeine Bürger offenbar nicht mehr zu fürchten. Dass in Zukunft reale Haie vom Duft der Anlagen angelockt werden und dann auch die Badenden an der recht sicheren Südküste bedrohen, steht als Gerücht im Raum. Bislang sind Badende auf Madeira noch nicht angegriffen worden. Doch auch ohne gefährliche Raubfische wird die Wasserqualität, die Schwimmer und Badende aus Mitteleuropa staunen lässt, durch die Zuchtkäfige getrübt.

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