Porto das Frades
Bucht am Porto dos Frades
Hauptstraße Porto Santo
Die Hauptstraße von Vila Baleira von Norden aus gesehen
Porto Santo Hauptstraße
Die Hauptstraße von Vila Baleira von Süden aus gesehen

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Kreuzfahrt nach Porto Santo?

22. Mai 2018

Aber bitte, wie denn!!!

eins - Es gibt Spinner und Think Tanks. Aus welcher Ecke die Idee stammt, in Porto Santo ein Kreuzfahrt-Terminal zu bauen, ist egal. Die Idee kursiert, obwohl sie keine rechten Konturen gewinnt.

Der Tourismus in Porto Santo – der Nebeninsel Madeiras – blüht seit drei Jahren. Dänen, Italiener und Franzosen füllen die Hotels auf. Deutsche waren immer schon da. Der neun Kilometer lange weiche Sandstrand, den die Portugiesen „golden“ nennen, ist einzigartig. Man zahlt kein Eintrittsgeld an einen übel gelaunten Rentner im Kassenhäuschen. Hinter Sandstrand und Dünen verstellen keine Bausünden den Blick. Die Bade- und Sonnensaison geht über 12 Monate. Aber der Tourismusboom hat nur die Hoteliers hochgebracht. Natürlich macht das die Jobs in den Hotels sicher. Doch die Restaurant- und Geschäftswelt fristet immer noch ein lausiges Dasein. Das liegt zum Teil daran, daß einige Hotels den All-inclusive-Service eingerichtet haben und damit die Touristen mit dem Bändchen ums Handgelenk an die Anlage binden.

Manche Reiseführer und -kataloge bezeichnen die „goldene Insel“ als Geheimtipp, gar als Paradies. Denn hier ist es ruhig, sehr ruhig sogar. Selbst Ende Mai kann man die Strandspaziergänger auf seinem Weg bequem zählen. Im Restaurant sitzt man mit einigen anderen, in der Bar in der Innenstadt trifft man mehr Einheimische als Touristen, selbst der Hamburger-Stand ist fast verwaist und die beiden Herren, die einen individuell und schnell bedienen, haben Zeit für einen Flirt mit blonden Däninnen.

Anders sieht es nur im Sommer aus, vom St.Johannes-Fest Ende Juni bis Anfang September. Da landen Heerscharen von Portugiesen an und machen High Life am Strand und drumherum. Eingefleischte Sommergäste berichten jedoch, dass man auch in diesen Monaten immer einen ruhigen Platz an der Sonne findet.

Obwohl die Gästezahl zugenommen hat, Porto Santo ist arm geblieben – auch atmosphärisch. Baufällige Häuser im Zentrum, aufgegebene Ladenlokale überall, in der ehemaligen Hauptstraße sitzen noch nicht einmal Bettler, weil es dort nichts zu holen gibt.

Wer kann, haut ab aus Porto Santo. Das war Jahrzehnte so. Doch warum holt man nicht diejenigen her, die tausendfach übers Meer schippern? Das fragt man sich angesichts des Kreuzfahrerbooms, der kein Ende nehmen will.
Ein Hindernis ist der kleine Hafen, der zudem regelmäßig versandet. Ein Ausbau des Hafens taugt nicht. Ginge ein Kreuzfahrtschiff außerhalb des Hafens vor Anker, müssten Tausende Kreuzfahrer in kleinen Booten an Land gebracht werden. Welch ein Umstand. Die Alternative lautet: Ein neuer Hafen für Kreuzfahrtschiffe am Porto dos Frades. Die Bucht an der Ostküste liegt geschützt und unberührt.

Wer solche Gedanken hegt, hat sicher keinen Respekt vor den Naturschützern, die mit vollem Rohr dagegen halten würden. Der Porto dos Frades ist ein wunderbares fast unberührtes Gebiet, das in seiner jetzigen Form absolut erhaltenswert scheint. Nicht aber dem kommerziellen Kalkül. Die Kassen von Taxi- und Busunternehmen würden klingeln, Restaurants, Geschäfte und Bars könnten sich freuen. Da die Kreuzfahrtschiffe vor allem im Winter diese Strecke machten: Sommer-Rummel mitten im Winter. Genau danach sehnten sich Porto Santos Wirte, Händler und Fahrer.

Doch ist diese Fantasie realistisch? Allein um eine Landung von 3000 Kreuzfahrern bewältigen zu können, bräuchte es 50 Busse, die Rundfahrten anbieten. Im Augenblick sind maximal fünf davon auf der Insel stationiert. Man bräuchte unendlich viel Unternehmergeist, um für den Ansturm gerüstet zu sein. Die elendige Hauptstraße müsste sich in die alte Prachtstraße zurückverwandeln, damit die Eintagestouristen, die die Ramblas von Barcelona oder den Souk von Marrakesch gewohnt sind, nicht einen Inselkoller kriegen. Das alles soll Porto Santo stemmen, bevor es eine regelmäßige Anlaufstelle für Kreuzfahrer ist? Never! Und das ist gut so. Oder?

Leserbriefe

Klaus Kiefer 13.06.2018 00:50

Ich wohne seit 24 Jahren auf Porto Santo.
Schon oft gab es gute und schlechte Ideen, dieser Hafen wird Gottseidank nie kommen ,den braucht Porto Santo nicht .
Porto Santo braucht ca 500 Arbeitsplätze nicht 50 die mehr Tourismus bringen .Porto Santo ist in der Hand von wenigen Unternehmern die billige Arbeitskräfte ausnutzen und das wird auch so bleiben . Bei diesen hungerlöhnen könnte man durchaus mehr Leute beschäftigen ,aber die Geldgier verhindert das und sorgt dafür das viele Menschen nicht wissen wie sie ihre Medikamente bezahlen sollen .Wenn sich nichts ändert, gute Nacht Porto Santo, ein Paradies wird verschwinden .