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Da tickt eine Zeitbombe

14. März 2018

Ferienhäuser und -wohnungen im Kreuzfeuer

eins - Madeiras Hoteliers sehen gravierende Mängel bei der Ausstattung privater Unterkünfte. Auch der „Linksblock“ nimmt private Angebote ins Visier. Die politische Partei fordert einen automatisch wirksamen Vermietungsstopp pro lizensierter Einheit, sobald eine fixe Zahl von Übernachtungen (zum Beispiel 30 pro Jahr) erreicht ist. Der illustren Allianz von Gegnern stehen die in Madeira mächtigen „Sozialdemokraten“ gegenüber. Die Partei aus dem rechts-konservativen Spektrum preist die Vielfalt des touristischen Angebots, die durch den privaten Sektor hergestellt werde. Die zahlreichen Ferienhäuser und -wohnungen kurbeln zudem, so die „Sozialdemokratische Partei / Madeira“ die lokale Wirtschaft an. Die Frontstellung in der Diskussion wird befeuert durch die jüngste Ankündigung von Airbnb, die auf seiner Website angebotenen privaten Unterkünfte nicht nur an Urlauber, sondern auch an Geschäftsreisende zu vermieten. Die amerikanische Agentur will so in zehn Jahren weltweit auf eine Milliarde Übernachtungen jährlich kommen.ö

Das Angebot privater Unterkünfte boomt. Auf Madeira mit einer Steigerungsrate von 3 Prozent jährlich. Und die Nachfrage zieht mit. Seitdem im Dezember 2014 die gesetzlichen Bestimmungen zum Alojamento Local (zu deutsch Vermietung vor Ort) auf der Insel wirksam wurden, ist das Lizensierungsverfahren in die Hand der Rathäuser gegeben und damit erheblich entbürokratisiert worden. Madeira zählt inzwischen 2620 Ferienhäuser und -wohnungen mit insgesamt 10200 Betten. Das entspricht einem Viertel des gesamten Bettenangebots. Kein Wunder, daß den Hoteliers da das Hemd flattert. Der Konkurrenzdruck untereinander ist ohnehin schon enorm, da die Savoy-Marke derzeit mit baulichen Kolossen auf den Markt stürmt, die ein Überangebot im Hotelgewerbe schaffen.
Individuelle Ferien vermag der Pauschaltourismus schwerlich anzubieten. Die Individualität privater Unterkünfte kann freilich auch zum Störfaktor werden. Bewohner von Apartmenthäusern oder Altstadtvierteln beschweren sich zunehmend über die Fluktuationen in ihren Lebensbereichen. Des Nachts oder in den Morgenstunden hört man in Apartmenthäusern immer öfter Koffer über die Korridore rollen, dann rücken Reinigungsfirmen an und früh oder spät rollen wieder Koffer die langen Korridore entlang. Leer gezogene Wohnungen in der Altstadt werden plötzlich renoviert, und danach ziehen neue Gesichter ein und aus, und es kommen andere für kurze Zeit und dann wieder andere. „Tourists go home!“ heißt es mancherorts, weil das Fremde die Lebenszonen der Einheimischen infiltriert. Solcher „Überfremdung“ Einhalt zu gebieten, macht sich der „Linksblock“ stark. Der „Alojamento Local“neben der Wohnungstür im Stadtgebiet erscheint der Partei als Fehlentwicklung. Der „Linksblock“ ist eine Splitterpartei. Aber die sozialistische Regierung in Lissabon ist eine Minderheitsregierung und bedarf zum Überleben auch der Stimmen des „Linksblocks“. Dafür müssen die regierenden Sozialisten Zugeständnisse machen. Wie weit sie sich dabei auf deren Linkspopulismus einlassen und bereit sind, die entbürokratisierten Bestimmungen des „AL“ mit Restriktionen zu beschweren, bleibt abzuwarten. In Madeira existiert ein Arbeitsausschuß zur Revision des „AL“. Es besteht jetzt schon Einvernehmen, daß das Angebot von Ferienhäusern und -wohnungen nicht unbegrenzt weiter wachsen darf. Des weiteren werden Regelverstöße seitens der privaten Anbieter zur Kenntnis genommen. Es heißt, daß von der Gesamtheit der im Netz erscheinenden einschlägigen Angebote 30 Prozent an der Steuer vorbei laufen. Darüber beschweren sich die Finanzbehörden, die die „weißen Schafe“ mit 28 Prozent Steuerlast nicht gerade ungeschoren lassen. Weiter noch: Bei 72 überraschenden Besuchen in Ferienhäusern und –wohnungen ermittelten Inspektoren 32 Regelverstöße. 14 Objekte waren als singuläre Einheit angemeldet, hatten aber unter der Hand Zellteilung vorgenommen. Ungeschminkt gesagt, fand man illegale Mehrfachvermietung. 12 weitere Objekte funktionierten ohne oder mit abgelaufener Lizenz. Die restlichen Beanstandungen bezogen sich auf kleinere Vergehen, die aber nach portugiesischem Dafürhalten kapital sind. An- und Abreise der Gäste waren nicht mit allen dazugehörigen Daten an die Fremdenpolizei gemeldet worden, oder es lag kein Beschwerdebuch (Livro de Reclamção) aus.
Man muss davon ausgehen, daß die Gegner des „Alojamento Local“ alles daran setzen werden, diesen Sektor im Tourismus zu beschränken. Die Erfolgsstory der Ferienhäuser und -wohnungen geht sicher weiter, aber demnächst mit mehr oder weniger scharfen Auflagen.

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