Good-bye Santana - Häuschen?

23. April 2017

Ein Wahrzeichen Madeiras ist gefährdet

eins - Wenn plötzlich etwas weg ist, was als designiertes Erleben gemeinschaftlich zugänglich war, reißt es ein Loch in die Emosphäre. Zum Beispiel fuhr auf einmal das Auto nicht mehr, das man „hässliches Entlein“ nannte. Und irgendwann entfernte man von einem Funkhaus das Schriftzeichen RIAS, das für West-Berliner Jahrzehnte lang zum Leben im Kessel dazugehörte. Nun fällt in Madeira das putzige Santana - Häuschen womöglich modernen Brandschutzbestimmungen zum Opfer.

Der Bürgermeister von Santana fühlt sich ausgebremst. „Mehr als einmal“, klagt Teófilo Cunha, „haben Unternehmer an meine Tür geklopft, weil sie eine Hotellandschaft, bestehend aus vielen kleinen Santana- Häuschen, hier bauen wollten. Ich musste jedesmal nein sagen. Weil ich weiß, dass ich das nicht genehmigen darf.“
Santana - Häuschen sind für den Norden typische Bauernkaten. Blau-weiß die Front und strohgedeckt das Giebeldach, in größerer Ausfertigung auch mit Walmdach. 200 von diesen putzigen Häuschen gab es noch zum Ende der 90er. Alle, die sie sehen, sind entzückt von dem Zeugnis bunter Schlichtheit. Heute findet sich gerade einmal die Hälfte dieser traditionellen Bauten. 85 davon in Santana, 15 im Nachbardistrikt Sao Jorge. Die meisten stehen leer und verfallen zusehends. „Seit 2013 hat unser Rathaus bei der Restaurierung von 15 Häuschen mitgewirkt“, sagt der Bürgermeister. Wohnen will kaum noch jemand in den beengten Verhältnissen, so dass ein Denkmal der madeirensischen Baukunst wegzubrechen droht. Teófilo Cunha führte Gespräche mit der Inselregierung zum Zweck, Ausnahmen in den Bauvorschriften Madeiras zu verankern. Bislang ohne Erfolg. Restauration des Alten und Neubau im alten Stil, zur Vermarktung tauglich, widersprechen den Auflagen für Zimmergröße und Brandschutz. Ein Strohdach darf nicht mehr sein, befiehlt die Sicherheitsphilosphie.
Denkmalschutz wird auf Madeira selten praktiziert. Deshalb geht ein bauliches Erbe seiner Auslöschung entgegen.

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