Samba beim Karneval

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Im Samba-Rhythmus über die Stränge

24. Februar 2017

Gehört der Karneval zu Madeira?

eins - Die Einheimischen von Machico reklamieren Emotionalität und Leidenschaft für sich. Madeira im Allgemeinen ist eher dröge. Deshalb sagen Kritiker: Die Samba-Tänzerinnen beim Karneval in Funchal kopieren den Karneval von Rio, aber ohne das knisternde Wiegen und Biegen der Hüften (es sei denn, sie stammen aus Machico, sagt der geheime Kenner aus der Redaktion).

Samba mit halbnackter Üppigkeit kam erst in den 80er Jahren auf die Straßen Funchals. Der Tourismus-Sekretär jener Zeit verteidigte unlängst den heutigen „extrovertierten“ Karneval gegen seine Kritiker, in dem er eine kurze Geschichte des Karnevals skizzierte.
João Carlos Abreu begann in einem Interview der Tageszeitung Diário de Notícias mit dem anarchischen Ursprung des Karnevals in Madeira. „Früher feierten die Menschen auf der Handwerkerstrasse in Funchal (Rua da Carreira) mit Eierspeisen und Gebäck. Das närrische Treiben uferte irgendwann aus und wurde aggressiv gegen die Anwohner der umliegenden Viertel. Maskierte drangen immer wieder in die Wohnhäuser ein und stahlen Krapfen aus der Küche. Die Inselregierung verbot daraufhin die Karnevalsfeier.“ Inzwischen, so João Carlos Abreu weiter, hatten die Hoteliers den Karneval entdeckt. Sie luden verkleidete Gruppen in Hotelsäle ein, die für die Gäste tanzten, mimten, flunkerten. Der Tourismus-Sekretär fand Gefallen an den Vorstellungen, meinte aber, dass diese nicht nur Hotelgästen vorbehalten bleiben dürften. So organisierte João Carlos Abreu in den 80ern die ersten Umzüge auf den Straßen von Funchal, die sich dann im Laufe der Zeit zu dem Samba-Spektakel entwickelten, wie man es am Karnevalssamstag bewundern kann.

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