Die Kastanien aus dem Feuer holen

20. Dezember 2016

Geröstete Kastanien im Tütchen. Eine Mogelpackung zum Jahresende?

eins - Es ist eine abendliche Wonne, zur Weihnachtszeit oder zwischen den Jahren durch Funchal zu schlendern und in der Lichter Glanz heiße gesalzene Röstkastanien zu essen. Glühwein gibt es dazu leider nicht, aber einen Wermutstropfen. Die Esskastanien stammen nämlich in diesem Jahr nicht aus Madeira, obwohl „Produkt aus Madeira“ als Etikett an den Ständen klebt.

„Solch eine Schande!“ schimpfte Filipa schon Anfang November, als sie die Früchte aus der ersten Esskastanienernte Madeiras schälte. Die Hälfte der recht teuer erstandenen heimischen Kastanien war faul. Und diese Erfahrung machten alle Käufer. Auch diejenigen, die ihre Stände im Funchal der Vorweihnachtszeit aufbauten. Der Ausschuss bei der heimischen Kastanie war so groß, dass die Straßenverkäufer auf eingefrorene Import-Ware aus Festland-Portugal auswichen.

Was war passiert? Die Tageszeitung „Diario de Noticias“ gibt Auskunft: Seit 2014 an geht ein Schädling progressiv auf die Kastanienbäume der Insel und vermehrt sich rasant. Der Schädling heißt Dyrocosmos Kuriphilus Yasumatsu (eine Wespenart) und hat in diesem Herbst sechzig Prozent der Ernte in Curral das Freiras und neunzig Prozent in Serra de Agua vernichtet. Das sind die Hochburgen der madeirensischen Esskastanienproduktion. 600 Produzenten sind verzweifelt. Der Ausschuss war so hoch, dass sie kaum etwas verdient haben.
Was tun? Die Rettung kommt aus China. Da haben High-Tech-Biologen einen Kontrahenten ins Leben gerufen. Es ist ein Parasit, der den Kastanienbäumen als Larve eingepflanzt wird und geschlüpft dem Schädling den Garaus macht. Das Killer-Insekt heißt Torymus Sinensis kamijo“ - ebenfalls eine kleine Wespenart. Das Tier bedarf jedoch, bevor es in dem Kampf geschickt wird, noch er behördlichen Einfuhr-Genehmigung. Immerhin wird die Kreatur aus chinesischen Labors eingeführt, ist also keineswegs ein endemisches Krabbeltier.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.