Das Schächten spaltet die Bevölkerung

4. Dezember 2016

Ab dem 8. Dezember geht es den Schweinen wieder an die Gurgel

eins - Mit dem Tag der Unbefleckten Empfängnis, wo mythologisch kein Blut floss, beginnen die Schlachtfeste auf Madeira. Unter unsäglichem Gequieke werden die Viecher aus den Ställen gezogen, ein Messer trennt die Halsschlagader des Angst gepeinigten Tieres auf, und bei Wein und Musik lässt man die arme Sau verbluten. Aus dem Blut wird Blutsuppe gemacht – das Festessen für die Schlächter.

Mit dem Schlachtfest zieht auf Madeira die vorweihnachtliche Zeit auf. Für die einen vereint dieser Brauch Familien und Freunde bei Speise, Trinkgelage und Gesang. Andere beklagen, daß das Schächten dem Geist der Weihnachtsbotschaft zuwider läuft.

Die Tageszeitung Diário de Notícias kommt bei einer Umfrage unter Madeirensern zu folgendem Ergebnis: Menschen in ländlichen Zonen sehen im zelebrierten Schächten eine erhaltenswerte Tradition, die zum Lebensunterhalt einfacher Leute beiträgt. Kleinbauern mästen nämlich Säue, um sie zum Schlachtfest zu verkaufen. Außerdem befördere „a matança do porco“, wie der Akt auf portugiesisch heißt, familiäres Einvernehmen und Weihnachtsstimmung. Jüngere Menschen hingegen - die Tageszeitung lässt offen, ob auf dem Land oder in der Stadt – hegen eher Vorbehalte gegen die zelebrierte Schächtung. Zwar essen sie mehrheitlich gern Schweinefleisch, aber nicht das einer Sau, das kurz zuvor geschächtet wurde. Ein Schwein zu Weihnachten zu schlachten , so ein Befragter, sei „kein Grund zum Glücklichsein“.

Die Tierschutzpartei PAN fordert, mit der Tradition zu brechen. Das Schächten, so heißt es in einer Mitteilung, sei ein Gewaltakt. Den Tierschützern bedeutet dagegen Weihnachten Friede, Harmonie und Mitgeschöpflichkeit.

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