Im Vordergrund ein Segelboot, im Hintegrund die Gebäude der Freihandelszone bei Canical

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Wovon lebt Madeira eigentlich?

26. November 2016

Von den Einkommenssäulen ist eine kaum bekannt

eins - Madeirawein und Bananen kommen gut an, fallen aber kaum ins Gewicht. Madeira lebt hauptsächlich vom Tourismus. Eine andere große Einnahmequelle ist die umstrittene Freihandelszone.

Das Centro Internacional de Negócios da Madeira (CINM) wurde 1987 als Off-Shore ins Leben gerufen. Das war ein Rangierbahnhof für mitunter obskure Geschäfte, bei denen Insider gut verdienen konnten. Nach massiven Interventionen aus dem EU-Raum wurde der Off-Shore-Status umgewandelt. Die in der Freihandelszone ansässigen Firmen bezahlen heute fünf Prozent Steuern. Außerdem sind sie verpflichtet, auf der Insel mit Telefon, Fax und Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Wer sich eine solche Repräsentanz anschaut, wird an einen Reitstall erinnert. Da sitzt in einem großen Saal eine Sekretärin, und jede dort untergebrachte Firma hat eine schmale Box zur Verfügung. Vielleicht gibt es unter einem Dach dreißig bis vierzig Firmen in dreißig bis vierzig Boxen – mit Namen und Anschrift auf der Tür und einem Faxgerät in der Box selber. Sonst nichts. Die Sekretärin nimmt alle Anrufe entgegen. Wenn es klingelt, sieht sie auf dem Display, welche Firma angewählt wurde, und meldet sich flexibel mit dem entsprechenden Namen. Über weitere Kuriositäten der Steuer-Oase informierte die Madeira-Zeitung in früheren Jahren.
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Zum Jahresende 2015 waren im CINM 2016 Firmen aktiv. Deren Steuerzahlungen brachten der Autonomen Region Madeira 151 Millionen Euro ein. Das entspricht etwas siebzehn Prozent der gesamten Steuereinnahmen Madeiras. Die Regionalregierung ist dabei, die Gewichte innerhalb der Freihandelszone zu ihren Gunsten zu verschieben, um noch mehr vom Kuchen abzubekommen. Im April 2017 läuft allerdings die Lizenz für das ominöse Gewerbegebiet aus. Starke Kräfte in Europa zielen auf das nachhaltige Aus für alle Steuerparadiese innerhalb der EU, also auch für dieses. Die Autonome Region Madeira wird mit der Kraft des David dagegen halten.

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