Problem erkannt - Gefahr noch nicht gebannt

28. August 2016

Madeiras Regierung scheint ratlos

eins - Brände im Sommer gab es immer. Doch im August 2016 stiegen die Flammen in bewohnte Gebiete hinab. Die Temperaturen bleiben auf Dauer – Hitze geeicht, eine deutliche Abkühlung ist nicht in Sicht. Die Insel könnte durchaus noch einmal in Flammen aufgehen. Mancherorts jedenfalls. Der Ruf nach Stationierung von Lösch-Hubschraubern wurde immer lauter.

Einiges spricht für den Einsatz von Löschflugzeugen. Die nationale Regierung in Lissabon drängt in diese Richtung. Doch die madeirensische Regionalregierung zaudert. Fakt ist, dass keine Infrastruktur auf der Insel aufgebaut wurde, die den Einsatz der Lösch-Hubschrauber ermöglichte. Es werden große Wassertanks benötigt, die maximal fünf Flugminuten vom Brandherd entfernt liegen. Sonst zeigen die Wassergüsse aus der Luft keinen Effekt. Es gib auf Madeira einen großen neuen Wasserspeicher, der aufgrund eines Lecks ständig leer läuft. Man kann sagen, die Verwaltung der Insel hat auf diesem Gebiet völlig versagt. Meerwasser zu schöpfen schadet dem Betriebssystem der Hubschrauber. Besonders die Kondensation, die aus dem gefüllten Wasserkübel empor steigt, versalzt den Rotorenantrieb. Auch die vielgliedrige Gebirgsformation Madeiras stellte Piloten von Helikoptern vor schwierige Aufgaben, weil sie darüber hinaus mit unerwarteten Windrichtungen in den Tälern, schlechten Sichtverhältnissen und Tal überspannenden Stromkabeln zu tun hätten. Bei Nacht wird aus den Hilfe-Flügen vermutlich ein „Himmelfahrtskommando“.
Trotzdem sagen zwei der vier Piloten, die die Zeitung Diario de Notícias anonym befragte, „Wir würden fliegen. Was sonst?“ Die Situation ist prekär. Es könnte, sofern die Hitze anhält, noch einmal kräftig brennen. Der amtierende Präsident der Inselregierung will deshalb eine Studie in Auftrag geben. Der Zögerer und Zauderer läuft damit vor einer Entscheidung weg. Die nationale Regierung in Lissabon scheint da eher vorpreschen zu wollen, doch fehlt es an Geld. Schon mehrfach gab es Initiativen einheimischer Bürger und von Touristen, Geld für die Löschung aus der Luft zu sammeln – diese Aktionen verliefen im Sande.
Die jüngsten Äußerungen des Inselpräsidenten waren ablehnend gegenüber den Lösch-Helikoptern. Ende August fielen nun erste Regentropfen – das rechtfertigt vermutlich einen weiteren Aufschub.

Leserbriefe

Markus K. 08.09.2016 11:34

Da stimme ich A. Fischer komplett zu. Wenn im Jahr 2016 noch Abfaelle im Freien verbrannt werden, dann kann man sich das Loeschen auch sparen. Praevention ist das Stichwort. Wozu gibt es Haecksler,die das ganze Gruenzeug klein machen. Auf Mallorca war das auch zu sehen. Ich war ganz baff. Da hat man ein Hotel in einer Kessellage in Port de Soller, blickt auf den Hafen und schon schwabbern Rauchschwaden den ganzen Tag ueber die Bucht. Unglaublich. Wassermangel, aber Gruenzeug verbrennen. Unverstaendlich!

Anmerkung der Redaktion:
Wenn man in ein fremdes Land fährt, bleibt einem manches unerständlich, das stimmt. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Gründe für das "fremdartige" Verhalten gibt. Keineswegs kann man davon ausgehen, dass ein Mitteleuropäer oder Deutscher besser weiss, wie man sich auf Madeira verhalten sollte, als die Einheimischen. Ich finde es gut, wenn Sie sich hier in Leserbriefen der Madeira-Zeitung offen aussprechen, als Besucher oder Resident auf der Insel und im Gespräch mit EInheimischen ist es sicherlich angemessen, diplomatischere Töne zu finden, wenn man sich eine Verhaltensänderung wünscht. Stefanie Seimetz

A. Fischer 29.08.2016 13:11

Danke für diesen Bericht. Ein weiterer Ansatz - parallel zu Löschflugzeugen - wäre, die Zündel-Leidenschaft mancher Inselbewohner zu stoppen. Normalerweise vergeht nicht ein Tag, in dem nicht Gartenabfälle und auch Müll unter offenem Himmel verbrannt werden. Meist auch mehrere Feuer gleichzeitig; an ein Lüften der Wohnung ist dann gar nicht mehr zu denken.

Solange hier das "Spiel mit dem Feuer" ein Volkssport ist, sind Löschflugzeuge nur ein wirkungsloses Beruhigungskissen.

Es sollte für mindestens 1 Jahr einmal das Verbrennen von Abfällen aller Art unter offenem Himmel komplett verboten werden!

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.