Was kreucht und fleucht...

23. Juni 2016

Mit dem Sommer kommen diverse Tierchen aus ihren Löchern

fred - Wenn sich die Heerscharen aus den Flugzeugen ergießen, werden sie erwartet von den Wogen des Meeres, dem Duft des Windes auf den Bergen, den plätschernden Wasserläufen allerorten. Da ruft der Zürcher zustimmend „Tip Top!“ und der Wiener schnalzt “ Des paaßt“ und der Baliner knöpft sich das Hemd auf und grölt „Natur pur! Wie lieb' ick dir!“ Wovon die Großstädter aber nichts ahnen, das ist die Umtriebigkeit des kleinen Getiers, ebenfalls herausgelockt vom schönen Wetter. Da sind die Urlauber dann oft platt.
Fred Schneider erzählt, was er als Reiseleiter im Juli schon erlebt hat, mit großen und mit kleinen Tieren.

Ein erstes Ärgernis sind die Ameisen, die eine Straße bilden, weil man gekrümelt hat beim Kekse Essen. Dann kommen die Sommerfrischler an die Rezeption gelaufen mit der Horrormeldung: „Wir haben ne Straße aufm Zimmer!“ Die richtige Antwort wäre: „Setzen Sie sich ne Mütze auf, nehmen Sie eine Kelle in die Hand und leiten Sie sie um.“ Besondere Aspiranten klagen über den „Bio-Lärm“, der sie am Schlafen hindert. Es sind die Frösche, die nachts quaken. Für die Hundegebell-Hasser gibt es in Amerika Waffen ohne Waffenschein zu kaufen oder so. Die gruselig gezeichneten Zebra-Spinnen, die wochenlang ohne eine Bewegung die Großstädterin auf dem Zimmer-Balkon aus ihrem Netz beobachtet, sagt jeden Tag: „Gleich stürz' ich mich auf dich!“ Am schlimmsten wirken Kakerlaken, auch Küchenschaben genannt. Wenn es heiß wird, kriechen sie aus Leitungen, Abflüssen, aber auch aus Gebüschen und Plantagen heraus und krabbeln, manchmal springen oder fliegen sie einem entgegen. Hübsch anzusehen wie Maikäfer, aber mit stärkerem Panzer und Resistenz gegen jede Krankheit, die sie selbst verbreiten. Kakerlaken sind den Großstädtern vermeintlicher Kündigungsgrund, Anlass für hysterische Auftritte, Angstattacken, Einsätze für Opernarien oder juristische Plänkeleien. Anders als in Mitteleuropa verdanken sie ihre Existenz auf Madeira nicht Schmutz und Unrat, sondern Hitze im natürlichen Entfaltungsraum. Die Madeirenser gehen gelassen mit den „Baratas“, wie sie auf portugiesisch heißen, um. Wer vom Land kommt, fängt sie mit der Hand und zerreißt sie in der Luft.
Mit einem Getier aber kommen die Großstädter klar, die Madeirenser mehrheitlich nicht. Das sind die Eidechsen. Davor flüchten fast alle einheimischen Frauen in Panik, während ihnen die Mitteleuropäer sogar großzügig von der Banane abgeben.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.