Sterbehilfe - Debatte

3. März 2016

In Portugal lagen am vergangenen Wochenende die Nerven blank

eins - Während einer Radiosendung überraschte am letzten Samstag im Februar eine Krankenschwester mit der Äußerung, über Sterbehilfe bräuchte man in Portugal gar nicht viel reden. Denn in den Krankenhäusern des Nationalen Gesundheitsdienstes würde sie längst schon praktiziert. Von dem Vorfall berichtete die Tageszeitung Diário de Notícias.

Die Äußerung ist eingeschlagen wie eine Bombe. Es war nämlich nicht irgendeine Krankenschwester, die da im Rádio Renasçenca zu Wort kam, sondern das Vorstandsmitglied des Verbandes der Pflegekräfte Portugals. Ana Rita Cavaco sagte, die Sterbehilfe sei „schon in gewisser Weise eine praktizierte Form bei Ärzten …, die diese Lösung bei einigen Patienten für angebracht halten“. Die Krankenschwester hat nach ihren Aussagen solche Erfahrungen während zahlreicher Operationen sammeln können. „Ich habe Situationen erlebt, in denen Ärzte anregten, den betreffenden Patienten Insulin zu verabreichen, um ein Zuckerkoma hervor zu rufen. Das muß niemand schockieren, denn wer im Nationalen Gesundheitsdienst arbeitet, weiß daß solche Sachen hinterm Vorhang passieren. Deshalb werden wir mal offen reden.“
Diese Offenheit der Krankenschwester schockierte aber doch, und zwar den Gesundheitsminister Portugals. Denn Ana Rita Cavaco hatte sich ausdrücklich auf ihre Erfahrungen im staatlichen Gesundheitsdienst berufen. Und darin ist der Gesundheitsminister oberster Dienstherr. Er ordnete umgehend eine vorrangige genauste Überprüfung der Vorhaltungen der Krankenschwester an. Schließlich werden in den Krankenhäusern des Nationalen Gesundheitsdienstes Patienten operiert, die sich keine private Zusatzversicherung leisten wollen oder können. Ein Eindruck, daß in den staatlichen Krankenhäusern Euthanasie praktiziert würde – möglicherweise passive, denn von einem Einverständnis hatte Ana Rita Cavaco nicht gesprochen – wäre fatal für die Nation. Auch der Nationale Verband der Ärzteschaft zeigte sich bestürzt und will die Krankenschwester anzeigen.
Inzwischen formieren sich die Befürworter der Sterbehilfe in Portugal. Die Petition „Ein Recht auf Sterben in Würde“ verzeichnete innerhalb einer Woche sieben Tausend Unterschriften.

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