Der neue Kai im Hafen von Funchal
Der Hafen von Funchal. Ganz vorn rechts im Bild der neue Kai 8, offen zum Meer

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AIDA, MEIN SCHIFF und Co.

20. November 2015

Müssen sie die Reiseroute ändern?

eins - „Die in Madeira spinnen doch wohl!“ haben sich die Kapitäne der beiden Kreuzfahrtschiffe gedacht. Der eine – Kapitän eines gigantischen deutschen Dampfers - gab sofort den Befehl, nach Gran Canaria durchzustarten. Der andere – Kapitän eines norwegischen Kreuzers – ließ sich auf einen Affentanz beim Anlegen im Hafen von Funchal ein.

Die „Braemar“ kam am 2. November um 7 Uhr morgens aus La Palma angefahren. Der Kapitän sah wegen heftiger Meeresagitation keine Sicherheit für ein konventionelles Anlegen an dem ihm zugewiesenen Kai 8 gegeben. In der Folge zog man den Riesenpott mit Hilfe von Seilwinden vom Land aus an den Anleger heran. Sieben Seile rissen dabei, weil die Meereswogen das Schiff abrupt hin- und herbewegten. Die 1500 Passagiere gingen später über eine Ersatzbrücke von Bord. Die Prozedur dauerte drei Stunden und brachte den Stundenplan des gesamten Hafens durcheinander.

Der Kai 8 liegt offen zum Meer. Kritiker hatten vor Baubeginn auf Konsequenzen der Meeresagitation hingewiesen, sofern die Schutzmauer des Hafens nicht um einen halben Kilometer verlängert würde. Der Kai ist im Sommer in Betrieb gegangen. Mit dem stärker wogenden Meer treten im Herbst die ersten Probleme auf. Die alte Regierung Madeiras hat den Anleger auf dem am Hafenrand abgelagerten Geröll des Unwetters von 2010 gebaut und dafür 7,5 Millionen Euro Subvention aus Brüssel eingeheimst. Die Nachfolgeregierung – zwar noch die selbe Partei, aber weniger kurzsichtig – räumt jetzt ein, dass ohne eine Verlängerung der den Hafen schützenden Mole keine Grundlage für die „kommerzielle Nutzung“ des neuen Anlegers gegeben sei. Die 7,5 Millionen aus Brüssel sind also ohne hinreichenden Grund gekommen. Eine Verlängerung der Mole schlüge mindestens mit 10 Millionen Euro zu Buche. Spielt Brüssel das Spielchen mit?

Derzeit ist Madeira auf Kai 8 angewiesen. Denn ein altgedienter Anleger im sicheren Hafenbecken wird gerade grundsaniert. Bei dem Massenandrang der Kreufahrtschiffe in den Herbstmonaten wird der Problem-Kai als Ersatzparkplatz für Riesendampfer bis mindestens Mitte Dezember eine Rolle spielen. Dann soll die Sanierung des alten Anlegers abgeschlossen sein. Sollte das Bauunternehmen die Frist nicht einhalten – was in der Region nicht unüblich ist – bekommt Madeira ein großes Problem um Weihnachten und Neujahr herum. Denn da kommen noch viel mehr Schiffe zur Lichter- und Feuerwerksshow. Wenn die Hafenverwaltung bei den immer höheren Wellen im Winter, womöglich bei dem dann häufig auftretenden Südwind, weiterhin Kai 8 anbietet, wird sie enorm viel Ärger kriegen. Vor allem von den Kreuzfahrt-Passagieren, die auf Madeira nicht von Bord gehen können, weil der Kapitän gleich weiterfährt.

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