Der leckerste Berliner in ganz Europa

27. Oktober 2015

Portugals Berliner hat Raffinesse

Achtung Satire: so hätte es auch sein können

shei - Die Zehntausend, die auf dem John-F-Kennedy-Platz dicht gedrängt standen, schrien begeistert auf. Denn Michail Gorbatschow hatte ihr Herz getroffen. Der dicke Kohl war es gewesen, der den Reformer des Sowjet-Reiches mit den Worten:„Sag ihnen was, was gut runter geht“ auf die Bühne schubste. Gorbatschow redete nur kurz auf russisch, ließ den Übersetzer erst gar nicht ans Mikrofon, und sagte dann mit seinem grundehrlichen Gesichtsausdruck: „Ich will ein' Berliner.“
Von den Zehntausend, die sich nicht mehr einkriegten vor Begeisterung, war Helmut Kohl vielleicht derjenige, der am lautesten schrie.Er war auf der Tribüne aufgesprungen, hatte die Fäuste in die Luft gestreckt. In den historischen Sekunden der Euphorie hatte das Süßmaul im Kanzler obsiegt. Doch der Euphorie sollte – abseits der seligen Massen – eine herbe Enttäuschung folgen.

Das war nämlich abends. Die beiden Freunde plantschten vergnügt in der Sauna. Gorbatschow war der neue Held von Berlin. Damit hatte der große europäische Deal seinen Schlusspunkt erreicht. „Ich will die Sowjet-Union gesund schrumpfen. Kannst du mir dabei helfen?“ Mit dieser Bitte hatte die Freundschaft angefangen. „Was gibste mir dafür?“ fasste der Dicke sofort nach. „Wie wäre es mit der DDR?“ Das Angebot ließ sich Kohl nicht zweimal machen. Das Drehbuch war geschrieben, nun musste nur noch der Film dazu gedreht werden. Aber das war Aufgabe der Regisseure auf den verschiedenen Seiten, zu denen - ohne es zu wissen - sogar StaSi-Mielke gehörte. Die beiden Freunde gönnten sich die Auszeit in der Sauna. Helmut hatte ins Spaß-Bad eine kleine Überraschung mitgebracht. Mit viel versprechendem Gesicht grabschte er in sein Kulturtäschchen, das er mit sich geführt hatte, holte daraus eine kleine braune Tüte, öffnete sie und hielt seinem Freund die Öffnung hin. „Da, nimm!“ Zwei Berliner hatte der Kanzler mitgebracht, um sie gemütlich mit seinem Freund zu mümmeln. Michail langte in die Tüte hinein, und dann langte Helmut zu. Schon nach dem ersten herzhaften Biß lief dem Kanzler die Marmelade am Kinn runter. Gorbatschow aber hielt den Berliner Ballen noch in seiner Hand. „Nimm es mir nicht krumm, Helmut“, sagte der Russe. „Aber ich mag nur portugiesische Berliner. Die haben eine ganz tolle Füllung: weiße russische Creme.“ - „Aha, da kommt der Kommunist durch“, durchzuckten Gedanken das blitzschnell agierende Hirn des Dicken. Als Historiker wusste Dr.Kohl um die Nelkenrevolution in Portugal und wie die Sowjet-Union da mit von der Partie gewesen war. „Meinem Volk säuselt er süße Worte ins Ohr. Doch den echten Berliner Ballen mag er in Wirklichkeit gar nicht . Dieser Demagoge zieht ihm den Russen-Ballen der Portugiesen vor.“ In der Sauna war es plötzlich eiskalt geworden. Man verabschiedete sich dementsprechend kühl voneinander, bekräftigte beiderseits aber noch zum Schluss, dass am Drehbuch nichts geändert würde. Es war das letzte Mal, dass die beiden miteinander einen Berliner gegessen haben. Und immer wenn Kohl später den Gorbatschow sah, murmelte er „Lügner“ vor sich hin. Besonders wenn im Fernsehen oder später im Internet der große Satz „Ich will ein' Berliner“ fiel.

Wer den tatsächlich viel leckereren portugiesischen Berliner mal probieren möchte, muss sich natürlich erst einmal nach Portugal begeben. Da wird es besonders schwierig, weil nicht nur der Inhalt aus der Sicht des wertkonservativen Deutschen „falsch“ ist, sondern auch die Bezeichnung des Gebäcks. Bola de Berlím heißt es komischerweise. Bola für Ballen kann man noch durchgehen lassen. Aber Berlin mit 'nem m am Ende und die letzte Silbe noch nasal gesprochen, zeigt - aus deutscher Sicht – wie abwegig das feil gebotene Gebäck ist. Die russische Creme ist auf portugiesisch zu allem Überfluss maskulin. Das Ganze heißt bei der Bestellung Uma bola de Berlím com creme russo. Doch wenn eine Verkäuferin einem diesen Berliner Ballen mit reizendem Lächeln aus ihren dunklen Augen auf den Tresen stellt, wird einem klar – sobald man bei der russischen Creme angekommen ist - dass Gorbatschow damals auf dem John-F-Kennedy- Platz nur diesen Berliner gemeint haben konnte.

PS: Die Zutaten für die russische Creme

weiße Gelatine
weißer feiner Zucker
Mehl
Eier
Milch
Vanille
und nicht ein Hauch von Marmelade

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