Eidechsen verhindern Ausbreitung der Borreliose

7. September 2015

Kleine Reptilien verdienen mehr Schutz

sts - Die Touristen sind geteilter Meinung über die Eidechsen, die ihnen auf Madeira überall begegnen: „Putzig, wie niedlich“, urteilen die einen, wenn die kleinen Reptilien sich vor ihren Füßen und ohne jede Scheu über ein Stückchen Banane hermachen. „Unappetitlich, eklig“ sagen die Angsthasen und verscheuchen die harmlosen Mini-Krokodile. Besonders schwer hat es die „Madeira-Mauereidechse“ bei den Einheimischen, vor allem in ländlichen Regionen. Während die Damen archetypische Drachen-Ängste aktivieren und davonlaufen, greifen die Herren zur Giftspritze. Bläulich verfärbt liegen die Tiere dann auf der Straße. Die Eidechsen sind bei den Bauern verhasst, denn Bananen und Trauben sind die Lieblingsspeise der kleinen Reptilien. Angefressene Früchte jedoch lassen sich auch auf Madeira nicht verkaufen.
Dabei wäre es gut, mit diesen Tieren Frieden zu schließen. Denn ihnen hat die Insel es zu verdanken, dass Madeira weitestgehend verschont bleibt von Borreliose.

Peter Wirtz, ein deutscher Biologe mit profunden Kenntnissen Madeiras, veröffentlichte diese Erkenntnis schon vor vierzehn Jahren im Deuschen Ärzteblatt. Das Wissen darüber ist jedoch nicht weit verbreitet und so fragen Wanderer, die beim Duschen eine Zecke am eigenen Körper entdecken, oft ängstlich: Wie ist das auf Madeira mit der Borreliose?

Der Auslöser der gefährliche Krankheit ist ein Bakterium. Übertragen wird es durch die auch auf Madeira reichlich vorhandenen Zecken. An Kühen, Ziegen, streunenden Hunden sieht man die Blutsauger sitzen – und manchmal saugen sie eben auch am eigenen Oberschenkel. Damit der Zeckenbiss nicht nur lästig, sondern auch gefährlich ist, muss die Zecke vorher das Blut einer Maus aufgenommen haben, die mit dem Bakterium infiziert war.
“Untersuchungen haben gezeigt, dass es auch auf Madeira mit Borrelia infizierte Mäuse gibt. Zwar nur wenige, aber es gibt sie. Warum ist dann aber Borreliose auf Madeira praktisch unbekannt? Dank der Madeira Mauereidechse!“ stellt Peter Wirtz in seinem Artikel fest.
Die Anzahl der Eidechsen auf Madeira übetrifft bei weitem die der Mäuse. Das Blut der Eidechse enthält aber niemals das gefährliche Bakterium. Noch besser: Wenn die hungrige Zecke an einer Eidechse Blut abzapft, sterben die Bakterien, mit der die Zecke infiziert war.

In Studien ließ sich eine Beziehung herstellen „zwischen der Häufigkeit von Eidechsen und der Anzahl infizierter Mäuse“, so Peter Wirtz: In Gebieten mit wenigen Eidechsen fanden sich infizierte Mäuse, doch wo viele Eidechsen leben, gibt es keine infizierten Mäuse.
Wenn die Zecken kein infiziertes Blut aufnehmen, können sie auch keine Wanderer mit Borreliose infizieren. Ein einfacher Zusammenhang – die Touristen sollten also getrost weiter die kleinen Tierchen füttern und sich freuen, dass sie den Urlaub auf Madeira aus gesundheitlicher Sicht noch sicherer machen!
Übrigens: Ebenfalls von Dr. Peter Wirtz: „Madeira. Das Leben im Meer.“ Auf der Insel erhältliches Bestimmungsbuch über Fische und andere Wasserlebewesen – und nach Ansicht unserer Autorin hoch interessant.

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