Fast pleite und völlig penetrant

23. August 2015

Üble Machenschaften portugiesischer Banken

Sonjar - Die Stimme am Telefon war tonlos. „Ihr Konto steht in den roten Zahlen. Bitte begleichen Sie die Schulden.“ Am folgenden Tag saß die Kundin Clara R.ihrem Bankberater gegenüber. „Ich löse das Konto auf“, sagte die Dame kurz und knapp. - „Sehr wohl." Der Banker fragte weder „Wie geht’s?“ noch „Warum wollen Sie uns verlassen?“ Denn er hatte ein verdammt schlechtes Gewissen.

50 Euro waren über einen längeren Zeitraum auf dem Girokonto der Bank Espirito Santo deponiert. Vor genau zwei Jahren kam der Zusammenbruch des Bankhauses und die Aufteilung in Gute und Schlechte Bank. Über die vielen Anleger, die bei der Schlechten Bank ihr Geld verloren, soll hier nicht berichtet werden. Es geht um die Kundin Clara R., die mit ihrem Guthaben von 50 Euro bei der Guten Bank gelandet war. Ohne ihre Kunden schriftlich zu informieren, hatte die Novo Banco – wie sie sich nun schimpft – die Kontoführungsgebühren drastisch erhöht. Als dann die 50 Euro im Zuge der neuen Abrechnungsweise aufgebraucht waren, ließ das Bankhaus von sich hören. 1,28 € waren an Schulden aufgelaufen. Die wurden bar getilgt, bevor Clara R. konsterniert die Tür hinter sich zuzog. „Kriminelle Bande“, murmelte sie vor sich hin.

Ein anderer Fall ist die BaniF. Die Bank befindet sich in Staatseigentum und fiel stets durch ihre extreme Arroganz gepaart mit Inkompetenz auf. Die meisten Posten waren parteipolitisch besetzt worden. Es verwundert nicht, daß die Bank darüber ins Trudeln kam. Es gibt zahlreiche Kundenberichte, die von Falschaussagen und Täuschereien der Bankberater zeugen. Eine Kundin, die sich beim Leiter einer Filiale über eine für sie teuer gewordene Falschinformation ihres Kundenberaters beschwerte, wurde mit den Worten „Es steht Aussage gegen Aussage. Was wollen Sie also?“ abgewiesen. Die BaniF ist nach der internationalen Finanzkrise vom Staat immer wieder aufgepäppelt worden, ohne dass sie aber auf die Beine kam. Vor einem Monat standen ihre Aktien bei einem Ankaufswert von 0,007 Euro. Man hätte also für 7 Cent zehn Aktien von diesem Finanzinstitut nachgeschmissen bekommen. Für den Verkauf hatte die Börse zur gleichen Zeit null Euro notiert. Die Finanzminsterin von Portugal hatte sich vorgenommen, einen ganzen Schwung von BaniF-Aktien unters Volk zu bringen. Und zwar zum Preis von 1,27 Cent das Stück. Das wäre einem Betrugsversuch gleichgekommen, doch die portugiesische Staatsanwaltschaft schreitet bei staatlich verantworteten Strafsachen ungern ein.Aber der Markt hat das Urteil gesprochen. Die Ministerin Albuquerque hat keine einzige ihrer wertlosen Aktien losschlagen können.

Viele Banken in Portugal arbeiten unseriös und halsabschneiderisch. Die Caixa de Depositos – die portugiesische Sparkasse – ist noch die ehrlichste. Bei Novo Banco und BaniF laufen Verhandlungen mit den Chinesen. Die Firma Fosun ist am Kauf der maroden Häuser interessiert. Erst kürzlich kaufte die chinesische Firma eine kleine schwächelnde Frankfurter Bank. Als erstes setzte sie den Vorstandsvorsitzenden vor die Tür. Ob die Chinesen mit Kunden ehrlicher umgehen, weiß man nicht.Zumindest dürften sie mehr Kompetenz mitbringen. Im Fall der Übernahme der beiden portugiesischen Looser-Banken, ist davon auszugehen, daß zahlreiche Köpfe rollen werden.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.