Junge Madeirenser wandern aus

16. August 2015

Zu Hause verdient man nichts - oder man rennt gegen Wände

sheila - 1800 Junge weniger in einem Jahr. Das ist beträchtlich bei einer Gesamtbevölkerung von um die 260 Tausend. Die Gründe für den Schwund sind die sinkende Geburtenrate und der massive Exodus von unter 25jährigen zum Geldverdienen ins Ausland.

Die portugiesische Regierung zeigt sich optimistisch vor der Wahl im Oktober. Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Trimester 2015 um 1,5 Prozent gestiegen. „Was Portugal braucht, sind Investitionen“, lockte der stellvertretende Ministerpräsident Portas kürzlich.

Wohl wahr, aber überall im Land sind die bürokratischen Hürden, die Sonderregelungen, die endlos langen Bearbeitungszeiten so zermürbend, dass Investoren andere Länder vorziehen. Gerade junge Menschen mit Ideen für Startups verzagen. Innovative Geschäfte beginnen oft in der Garage. Doch dafür bekommt man in Portugal keine Erlaubnis.

Madeira war unter der autoritären Herrschaft des im Frühjahr geschiedenen Regierungschefs besonders restriktiv. Aus staatsmonopolistischen Gründen wurde beispielsweise die Gründung eines privaten „TÜV“ untersagt, aus protektionistischen Gründen wurde verhindert, dass Lidl sich ansiedelte. Wer nicht Parteimitglied war, dem wurden bei Anträgen auf Geschäftslizenzen und Fördergelder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Viele Junge resignierten und gingen weg.
Inzwischen hat sich durch politische Veränderungen das Klima liberalisiert. Aber die alte Bürokratie mit ihren knöchernen Vorschriften sitzt weiterhin im Sattel. Plakate mit der Anleitung zu "Bürgernähe" und "Unterstützung des Antragstellers" hängen womöglich über dem Schreibtisch. Doch anstatt zu vereinfachen, verkompliziert die Bürokratie auch weiterhin die Arbeitsabläufe. Dass die Jungen weg laufen, sollte zu denken geben.

Foto: http://www.traumauswandern.de

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.