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Mit "annem" Motor

8. Juli 2015

Ist das ein Zeichen von Potenz?

sheila - Halbstarke in Deutschland finden das geil. Im Wagen vorfahren und bei laufender Maschine und herunter gelassenem Fenster ein paar satte Sprüche abgeben. Die PS unter der Motorhaube weisen den Kerl hinterm Lenkrad aus. In Portugal sind es nicht nur Halbstarke, sondern Männer aller Klassen, und Frauen, die zeigen, dass auch sie die Motorhaube zum Beben bringen.

So würde man einen Artikel über den generellen Machismus der Südländer und Südlanderinnen massenwirksam anreißen. Aber die Realität ist ganz anders – und fürchterlich banal. Die meisten Fahrer und Fahrerinnen lassen den Motor im Leerlauf drehen, weil sie meinen „Wenn er nicht fährt, kostet es nichts“. Auspuffgase interessieren eigentlich niemand. Und wenn die Polizei in weiter nördlich gelegenen Ländern zur Anfang einer Verkehrskontrolle auffordert, den Motor abzustellen, ist das Gegenteil in Portugal der Fall. Wer falsch parkt und dabei den Motor ausgeschaltet hat, bekommt ein Knöllchen. Wo aber beim Falschparken der Motor läuft, kommt kein Strafzettel an die Windschutzscheibe. Denn der laufende Motor sagt im Takt, „ich steh nur mal so eben... und gleich geht’s weiter“. Mit dieser Einstellung, besser gesagt, mit eingestelltem Motor, kann man in Portugal seinen Wagen fast überall abstellen: auf Gehwegen für Fußgänger, vor dem Schultor, wenn Mutter die Tochter im Auto sitzend abpasst, auf Parkplätzen, die für Behinderte reserviert sind. Die Polizei spielt mit, solange der Motor läuft. Das ist „Verkehrsfluss ohne Geschwindigkeitsübertretung“. Theoretisch könnte man sein Auto auf der Rollbahn des Flughafens von Madeira mit „annem"  Motor abstellen. Wenn der Kapitän der zur Landung aufgerufenen Maschine erfährt, dass der Fahrer nur mal eben Zigaretten holen ist, wird er verständnisvoll ein paar Kurven drehen.

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