Kanarienvogel wild
äußerlich unscheinbar, Stimme von Weltruf: der Kanarienvogel
Cagarras
Cagarras knapp über dem Wasser

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Love is in the air

6. Mai 2015

Sängerwettstreit, Eulenbabies und Sturmvögel

eins - sts Es schallt und jubiliert in einem fort. Dieter B. und Heino – Deutschlands abgetakelte Talentsucher – sollten nach Madeira kommen, um wahre Gesangskunst zu finden. Ungeschlagen der freie Kanarienvogel im Wipfel. Auch die Konkurrenz zeigt, was sie kann. Denn es ist Frühling. Da werden die besten Sänger von der Damenwelt erhört.

Morgens spätestens um vier Uhr wachen die Amseln auf. Sie zwitschern munter, mitunter rhythmisch. Die Könner zeigen sich erst später, wenn die Sonne am Himmel steht. Die wilden Kanarienvogel verblüffen die Touristen. Ihr Gesang unterscheidet sich kaum vom Tirilieren ihrer Artgenossen in deutschen Käfigen auf der Fensterbank. Die ausdauernden Sänger brillieren mit ihren Sologesängen vor dem Hintergrund eines riesigen Orchesters, bestehend aus Rotkehlchen, Buchfink und Bluthänfling, aus Madeira-Goldhähnchen und Mönchsgrasmücke, Distelfink und Grünling. Wenn man an einem stillen Ort die Augen schließt, ist man in einem Konzertsaal. Je nach Standort mag auch einmal eine Wachtel zu hören sein, oder ein Steinsperling krächzt in den Gesang hinein. Nicht nur Tierfreunden und Vogelkundigen geht das Herz auf beim Frühlingskonzert.

Regelmäßig auf Madeira anzutreffen sind die Schleiereulen. Erstaunlich nah über den Dächern des Dorfes leben und brüten sie in den Felswänden. Sie haben im Mai die Brutzeit längst hinter sich und suchen im Dunkeln nach Mäusen. Die Eulen stoßen einen kurzen, rufenden Ton aus, wenn sie über das Dorf streichen. Lauter Gesang wäre töricht, er konterkariert den lautlosen Flug der Nachtvögel. Das Gekrächze der Altvögel beim Herum-Stolzieren auf den Felsen und der Jungen, die um Futter betteln, scheint wiederum die Mäuse nicht zu einem Standort-Wechsel zu bewegen. Und so gab es mancherorts im Frühling 2015 besonders viele Schleiereulen-Babies.

Auch die Cagarras, die Gelbschnabelsturmtaucher, bevorzugen die sonst eher gesangfreien Intervalle. In den dunklen Abendstunden, vorzugsweise bei bedecktem Himmel, fliegen sie über die Küstenstreifen. Die Männchen kreischen wie Mickymäuse. Auch das scheint anzukommen – alles Geschmackssache! Die Gelbschnabeltaucher kann jeder Tourist leicht am Strand beobachten. Andere große Seevögel, die ebenfalls zum Brüten nach Madeira kommen, sind dagegen eher in höheren Lagen oder sogar im Hochgebirge anzutreffen. Luís Dias von der Organisation „Birds and Company“ kennt sich bestens aus. „Zur Zeit beobachten wir die Patagarras (Schwarzschnabel-Sturmtaucher), die Almas Negras (Bulwer-Sturmvogel) und die Freiras (Madeira-Sturmvogel).“ Das ist eine illustre Schar, deren madeirensische Namen viel poetischer sind als die deutschen: „Freiras“ heißt Nonnen und „Almas Negras“ bedeutet Schwarze Seelen. Diese Vögel gehören allesamt zu den „Röhrennasen“ - die wahren Seevögel schlechthin, urteilt Peter Sziemer in seiner „kurzen Naturgeschichte Madeiras“. Sie verbringen fast ihr gesamtes Leben auf dem offenen Meer, rasten auf den Wellen und haben in der Nase auf dem Schnabel eine private Wasserentsalzungsanlage dabei. Nur mit dem Brüten auf dem Wasser klappt es nicht – im Frühling kommen sie darum an Land. Wer also in diesen Monaten nach Madeira kommt, sollte Augen und vor allem Ohren aufsperren, um die Frühlingsgefühle der kleinen und großen Flieger zu verfolgen.

Fotos: Kanarienvogel Wildform bei wikipedia, „Serinus canaria 3“ von Haplochromis - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Serinus_canaria_3.jpg#/media/File:Serinus_canaria_3.jpg)
Cagarras bei www.lobosonda.com

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