Im Rathaus regiert der Tierschutz mit

9. Dezember 2014

Funchal verbannt abgerichtete Tiere aus der Zirkus-Manege und dem Straßenbild

eins - Allweihnachtlich gastiert ein Zirkus am Badestrand von Funchal. Clowns, Akrobaten, Jongleure und Zauberer unterhalten ein begeistertes Publikum, vor und nach den Festtagen. Doch diesmal fehlen die Tiernummern im Programm.

Zur neuen Mehrheit im Rat der Inselhauptstadt Madeiras zählt auch die Tierschützerpartei PAN. Die Abkürzung steht für Menschen – Tiere – Natur. Die junge Partei ist zwar nur mit einer Abgeordneten vertreten, hat aber die Mehrheit des Rates von ihrer Meinung überzeugen können, dass Tierdressur zu kommerziellen Zwecken Quälerei sei. Die Tierschützerpartei streitet für die Verbannung von Pferden, Ponys, Elefanten, Tigern, Schlangen und Robben aus der Zirkus-Manege. Dem folgend hat Funchal Oberbürgermeister die Leitung der beiden Zirkus-Attraktionen in diesem Jahr, Zirkus DALLAS und Zirkus MUNDIAL angewiesen, bei ihren diesjährigen Vorstellungen sämtliche Tiere aus dem Programm zu nehmen. Einer der beiden Zirkusdirektoren zeigte sich auch in der Öffentlichkeit empört. Die Zeitung des Inselpräsidenten zitierte ihn noch vor der Eröffnung mit den Worten "Wer da am meisten verliert sind die Kinder und auch die Erwachsenen aus Funchal und ganz Madeira!" In der Bevölkerung findet die Entscheidung des Rathauses ein geteiltes Echo. Gerade jüngere Erwachsene loben auf Facebook den Verzicht auf Tiere im Zirkus.

Einen weiteren Sieg feiern die Tierschützer mit dem amtlichen Verbot der Raubvogel-Präsentation in Straßen und auf Plätzen der Inselhauptstadt. Seit einigen Jahren präsentieren fliegende Händler Steinadler, Papageien und weitere große Vögel im Stadtbild. Es fasziniert viele Besucher der City, riesige Vögel mit unglaublichen Flügelspannweiten aus nächster Nähe zu sehen. Man kann sich mit ihnen gar fotografieren lassen. Viele Touristen schütteln aber auch ungläubig den Kopf. Denn Steinadler zum Beispiel gehören in entlegene Bergregionen und nicht in die warme und bevölkerte City von Funchal. Auch in diesem Fall hat der Oberbürgermeister ein amtliches Verbot erlassen und droht allen „Vogelhändlern“ bei Zuwiderhandlung mit Ordnungsstrafen.

Nachdem der frühere Oberbürgermeister im vergangenen Jahrzehnt eine konsequente Verkehrsberuhigung der Hauptstadt durchgeführt hatte, wovon Funchal als Urlaubs- und Lebensort erheblich profitierte, schlägt nun der neue Oberbürgermeister einen tierfreundlichen Weg ein. Die Hauptstadt profitiert sicherlich davon auch, denn viele der Urlauber haben sich gefragt, wie man die kommerzielle Präsentation der nicht indigenen Vögel behördlich dulden kann.

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