Druckansicht

Vom Winde verweht

2. Dezember 2014

Technik vor Naturgewalten

sts - Eine Reise auf Madeira, die kleine Insel im Atlantik, ist längst kein Abenteuer mehr. Lange vorbei die Zeiten, da man sich einem altehrwürdigen Dreimaster anvertrauen musste, um im Hafen von Funchal an Land zu gehen. Auch die Wasserflugzeuge, die eine Zeitlang vor der Hauptstadt auf den Wellen landeten, haben längst ausgedient.
Die moderne Technik macht's möglich: „Fliegen ist wie Busfahren“, erläutert Jürgen P. seiner jungen Partnerin auf der Fahrt zum Zürcher Flughafen. Der Check-In ist reine Routine, der Sicherheitscheck geht zügig voran und schon sitzt das Paar in der startenden Maschine. Heute drei Stunden fünfzig bis zum Ziel, heißt es aus dem Cockpit.

Anflug auf Madeira. Das Flugzeug steckt in den Wolken, die Passagiere werden durchgerüttelt wie in einem alten Lastwagen. Luftlöcher. Am Fenster alles grau, kein Meer, kein Land in Sicht.

Im krächzenden Lautsprecher meldet sich der Pilot. Auf Madeira herrscht Sturm, 9 Beaufort aus Nordwest, heftiger Regen, schlechte Sicht. Landung auf Madeira, daraus wird jetzt nichts. Wir drehen um und landen auf der Nachbarinsel. Porto Santo, winzig, aber mit einem Nato-Flughafen versehen. Auf der breiten und langen Landebahn, mit sanftem Anflug über die weit gestreckte Bucht auf der Südseite der Insel – da ist der starke Nordwind kein Problem. Langsam und ruhig setzt die Maschine auf.

Die Rezeptionistin des Vier-Sterne-Hotels hat alle Hände voll zu tun, bis Passagiere und Crew untergebracht sind. Im eben noch winterlich stillen Hotel brummt es jetzt an allen Ecken und Enden.

Keine anderthalb Stunden später sieht man Jürgen und seine Freundin am Strand von Porto Santo. Bleiche Füße und Schienbeine im nassen Sand. Die Sonne strahlt warm vom Novemberhimmel. Schlechtes Wetter auf Madeira? Na gut, der Wind ist auch hier nicht ohne, bei den Dünen werden die Beine sandgestrahlt.

Ankunft auf Madeira am nächsten Morgen kurz vor acht, es dämmert gerade so eben. Als die Maschine sich vor Caniço über dem wilden Meer in die weite, steile Kurve legt, sackt Jürgens Begleiterin das Herz in die Hose. Berührt der Flügel nicht die Wellen? Doch da ist es schon vorbei, das Flugzeug bremst auf der vom Regen im Lampenlicht glitzernden Landebahn. Die kurze „Busfahrt“ ist zu einer abenteuerlichen, langen Reise geworden. Nicht ungewöhnlich um diese Jahrezeit, wissen die Profis auf dem Flughafen zu berichten. Eigentlich ganz interessant, dieser Umweg, meint Jürgen P.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.