Die Melancholie der Portugiesen

16. Oktober 2014

Eine bestürzende Mitteilung aus dem Gesundheitsministerium bringt Licht ins Dunkel

eins - Sie sitzen in verdunkelten Räumen, zelebrieren ihre Traurigkeit und die Sehnsucht, von der der Fado kündet. Das ist das Klischee des schwermütigen portugiesischen Volkes, das aber durchaus echte Züge trägt.

Tatsächlich sagen viele Portugiesen „ich bin traurig“, wenn sie wütend sein sollten. Oder „Das ist eben das Leben“, wenn sie Unrecht erleiden. Woher kommt diese fatalistische oder depressive Lebenseinstellung eines Volkes, dem doch so häufig die Sonne lacht? War es die Jahrhunderte währende Existenz im Schatten des bedrohlichen Nachbarn Spanien, die fast fünfzigjährige Diktatur im 20. Jahrhundert, die die Mentalität prägten?

Der Direktor des Nationalen Programms für Mentale Gesundheit brachte kürzlich auf einem Symposium eine erstaunliche Tatsache ins Spiel. Alvaro Carvelho sprach, laut Tageszeitung Diário de Notícias über den europaweit höchsten Konsum von Tranquilizern in Portugal. Besonders Benzodiazepine, das sind Medikamente gegen Angstzustände und Schlafstörungen, seien in Portugal verbreitet wie nirgendwo sonst in Europa. Eine kleine Umfrage, nicht repräsentativ, im Umfeld der Redaktion der Madeira-Zeitung ergab tatsächlich, dass viele Ärztinnen und Ärzte auf Madeira bereitwillig Beruhigungsmittel verschreiben, ohne dass der Patient von sich aus danach fragt und ohne dass die Symptome diese Behandlung ohne weiteres nahelegen.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.