Die Drei von der Tankstelle

28. September 2014

Wie eine abgetakelte Großmacht ihr imaginäres Weltreich verteidigte

nur - Viel ist Portugal nicht geblieben: Das Festland, die Azoren, Madeira und das klitzekleine Porto- Santo-Eiland. Dann besitzt es noch ein paar felsige Flecken, die ganz im Süden aus dem Wasser ragen. Die unbehausten Selvagens liegen zwischen Madeira und den Kanaren. Dort landeten vor einer Woche Aktivisten, um gegen die Ölbohrungne vor der Küste Lanzarotes und Fuerteventuras zu protestieren. Die Aktivisten hatten vor ihrer Landung brav um Erlaubnis gebeten. Es gab keine Einwände, denn im Naturpark der Selvagens würden die ganz bestimmt keine Tankstelle von Repsol aufmachen. Stattdessen entfalteten drei der Aktivisten plötzlich, gut sichtbar für die weltweite Internetgemeinde, ein Spruchband mit der Flagge eines (noch) nicht existierenden Staates darauf. Die ehemalige Weltmacht sah nun einen weiteren Teil ihres Imperiums verloren gehen und setzte ein Kriegsschiff mit Volldampf in Bewegung, die Souveränität Portugals zu verteidigen.

Das Kriegsschiff erreichte den Ort des Frevels um 22 Uhr. Vier Aktivistiten waren dort gelandet, drei hatten das Spruchband entrollt, nur noch zwei haben sie erwischt. Über die anderen beiden verlor der Militärapparat kein Wort. Man könnte vermuten, sie hielten sich im Schutze der Nacht gut versteckt.

Ab nach Madeira mit den beiden fest genommenen Eindringlingen. Bei ihrem Protest gegen Erdölbohrungen hatten die Aktivisten per Spruchband proklamiert: Die Kanarischen Gewässer sind weder spanisch noch portugiesisch. Eine neue Republik wollen sie ins Leben rufen: Die Kanaren unter Einschluss portugiesischer Territorien sollen unabhängig werden. Das ist Aufruhr im Atlantik!

Bei der Ankunft der Festgenommenen spielte Portugal auf Deeskalation. Kein Gefängnis, keine Verurteilung, kein Aufhebens. Die beiden sollten abgeschoben werden. Da sie kein Geld bei sich trugen, mussten Familienangehörige aus der Heimat für die Flugtickets aufkommen. Dann ging es ab zum Flughafen von Madeira, in einem Landtransport der portugiesischen Marine.

"Wir wollten nicht die Souveränität Portugals verletzen, sondern die Portugiesen sensibilisieren für das, was da in unseren Gewässern vorgeht," hiess es nachträglich in einer Erklärung der "Nationalistischen Initiative Kanaren" (ANC), zu der sich die Aktivisten zählen. Zumindest was die Staatsorgane Portugals angeht, haben sie das geschafft.

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