Sonnenstrom für Selbstversorger

23. September 2014

Endlich ist auch auf Madeira der Weg frei!

allk - Bislang geht der Strom, der mit Hilfe privater Photovoltaik -Anlagen gewonnen wurde, per Verordnung ausnahmslos ans staatliche E-Werk. Madeiras E-Monopol hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich den Einkaufspreis für privat produzierten Strom gesenkt. Er ist inzwischen bei 20 Cent/Kilowattstunde angelangt, sodass man sich fragt, ob die Investition in eine kostspielige Anlage überhaupt lohnt. 17 Cent/Kilowattstunde, einschliesslich Mehrwertsteuer, zahlt der Verbraucher beim Elektrizitätswerk. Brüssel hebt nun den staatlichen Dirigismus auf. Ab sofort entscheiden die privaten Stromproduzenten selbst.

Wer will, speist den Sonnenstrom direkt in das eigene Netz ein. Überschüsse werden ans E-Werk abgegeben. Bei fehlendem Sonnenschein kommt der Strom wie gewohnt aus dem öffentlichen Netz. Man braucht für das neue System „einen Zähler, der in beide Richtungen funktioniert“, erläutert Agustinho Gouveia. Der Geschäftsführer der Firma INTELSOL erklärt, dass bei Fremdbezug der Zähler wie bisher die gelieferte Strommenge zählt, bei Abgabe ans E-Werk aber vom aktuellen Zählerstand subtrahiert wird. Auch die Inbetriebnahme der privaten Anlagen hat Brüssel entscheidend vereinfacht. Bis zu einer Leistung von 1500 Watt, die etwa von sechs Paneelen erzielt wird, ist kein Lizenzantrag mehr notwendig. Es reicht eine schriftliche Mitteilung ans Elektrizitäts-Werk.

Firmen werden von Brüssel besonders begünstigt. Liegt ihr Sitz in der Inselhauptstadt, können sie mit einem Investitionszuschuss von vierzig Prozent rechnen, außerhalb Funchals beteiligt sich die Europäische Union sogar zu 45 Prozent an den Investitionskosten für die Photovoltaik-Anlage.

Was für Madeira noch Zukunftsmusik ist, ist die Integration von Speicherbatterien ins Selbstversorgersystem. Selbst produzierter Strom aus den Mittagsstunden könnte so für die Abendstunden aufgespart werden. Auch auf Madeira gibt es regnerische Tage, an denen die Sonne sich nicht richtig zeigt. Da wäre es rationell, an Tagen mit Sonnenüberkapazität Strom für graue Tage zu speichern. Um den täglichen Strombedarf eines kleinen Haushalts bevorraten zu können, bedarf es einer Speicherkapazität von rund fünf Kilowattstunden. Lithium-Ionen-Akkus kosten in Deutschland rund zweitausend Euro pro Kilowattstunde. Deckt man sich für zwei Regentage ein, macht die Rechnung zwanzigtausend Euro. Preiswerter, allerdings nicht ganz so ergiebig, sind Blei-Akkus. In Deutschland gibt es seit 1. Mai 2013 ein KfW-Förderprogramm für solche Batteriespeicher. In Portugal ist die Speicheridee noch nicht angekommen. Deshalb wird man vorerst die Batterien in Mitteleuropa erstehen und nach Portugal einführen müssen. Es ist fraglich, ob madeirensische Montagefirmen schon hinlänglich mit dem Batteriespeicher vertraut sind. Sollte man es schaffen, auf Madeira die Pionierleistung einer dezentralen Photovoltaik-Anlage mit Batteriebevorratung auf die Beine zu stellen, kommt aus weiter Zukunft das eigene Elektroauto ans Selbstversorgerhaus gefahren, um von der heißen Sonne Madeiras seinen Tank gefüllt zu bekommen.

Anmerkung der Redaktion vom 14.10.2017:

Seit 2014 übernimmt das Elektrizitätswerk Madeira keine Überkapazitäten mehr von privaten Haushalten. Die portugiesiche Zentralregierung beabsichtigt, zum Jahre 2018 die E-Werke zur Übernahme gesetzlich zu verpflichten.

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