Der vergitterte Marienschrein

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Black Magic Woman

28. August 2014

Die schwarze Madonna in der Kapelle am Hexentanzplatz

laud - Ein heidnischer Platz auf der Hochebene Madeiras. Just gegenüber liegt die schmucklose Kapelle mit zwei Madonnen-Figuren hinter Gittern. Eine sanftmütige Weiße und eine sinnliche Schwarze mit demütig geschlossenen Augen. Die Gitter nicht zuletzt wegen der Hexen auf der anderen Seite der Straße. Treiben die nicht so manchen Schabernack? Wie kommt eine schwarze Madonna in die katholische Kapelle? Die Lösung könnte Fatima heißen.

Fatima ist der Name von Mohammeds Tochter aus erster Ehe. Einer Legende zufolge hatte ein maurischer Fürst diesen geweihten Namen für seine schöne Tochter auserwählt. Das geschah in der Endzeit der Besetzung Südeuropas durch muslimische Araber. 1147 gelang portugiesischen Christen die Rückeroberung der mittelportugiesischen Region, in der Fatima aufgewachsen war. Sie entführten Fatima, verkauften sie an einen Grafen und ließen sie taufen. Die bekehrte Araberin wurde an einem Ort in der Region bestattet, den man später ihr zu Ehren „Fatima“ nannte.

Dort hatten im Mai 1917 drei Hirtenkinder auf freiem Feld eine Erscheinung. Ihnen begegnete eine Frauengestalt, die die katholische Kirche schnell als Jungfrau Maria identifizierte. Doch die Aura des Ortes pendelt – wenn man sich vom kirchlichen Fundamentalismus frei macht – in eine andere Richtung. Warum soll nicht Fatima selbst – die Tochter des Propheten – erschienen sein? God only knows.

Es kann sein, dass sich diese Fatima unterschwellig behaupten konnte. So steht sie, gewandet als schwarze Madonna in der madeirensischen Kapelle am Hexentanzplatz neben der weißen Maria. Die vielen frischen Blumen zeugen von der Popularität des Gebetes zu den beiden heiligen Frauen. Fernab vom rigiden Interesse des Klerus. Wenn diese „Fatima“ die Augen öffnen könnte, blickte man vielleicht in tausend und eine Nacht.

Hnweis der Redaktion:
Wer Lust hat, unserer Autorin Inge Laudenbach auf ihren esoterischen Wegen zu Hexen und Madonnen zu folgen, fährt über Ponta do Sol und Canhas hinauf auf die Hochebene Paul da Serra. Kurz nach dem Ende der Serpentinen-Steigung, bei den ersten Windrädern rechts und links der Straße und noch vor dem Schild „Campo Grande“ liegt auf der linken Seite die erwähnte Kapelle.

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