Café Macaronésia

25. Juli 2014

Eine Oase im turbulenten Markt-Treiben

eins - Hinter den bunten Fotomotiven in der Markthalle von Funchal gibt es noch eine andere Wirklichkeit. Da sitzen die Trachtenfrauen mit ihren Blumen aus Holland. Da warten im ersten Stock die Touristenjäger mit ihren exotischen Früchten aus Südamerika. Nur dienstags, freitags und samstags bevölkern die Bauern Madeiras mit regionalen Produkten das Erdgeschoss. Was den Besuchern verborgen bleibt, ist die virulente Drogenszene um den Markt herum, die Armutsprostitution, die es dort immer gab, die fliegenden Händler, die mit vielerlei Waren handeln. Nirgendwo kosten das Bier, der Schnaps oder das Sandwich mit „Carne de Vinho e Alho“ weniger als in den schäbigen Kneipen rund um den Markt, wo die Leute aus der Marktszene eine Pause machen. Teure Rechnungen stellt auf dem Dach des Marktes dagegen ein erlesenes Café aus. Dort läuft ein exklusives Gegenprogramm – geschmackvoll, weiträumig und ganz ohne Bedrängnis der Underclass ein oder zwei Stockwerke tiefer.

Große Pflanzen rundherum. Zwei Dutzend Tische unter großen Sonnenschirmen. Anspruchsvollere Musik in dezenter Beschallung, eine frische Brise vom zweihundert Meter entfernten Atlantik. Das ist das Café auf dem Dach des Marktes. Eine edle Oase inmitten des Treibens.
Die Preise in dem Café sind so hoch wie seine Lage. Fast drei Euro für einen einfachen Toast. Dafür gibt es das geröstete Brot mit Butter und – höre und staune – frischem Oregano. Die heiße Milch zur „Chinesa“ (Milchkaffee) wird im Extra-Kännchen zum Selbst-Einschenken gebracht, wie in alten Zeiten. Die heiße Schokolade ist nicht zu süß, die Säfte frisch ausgespresst. Man kann durchatmen in diesem Café, bevor man zurückkehrt in das Gewühl der Altstadtgassen.

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