Maria Luís Albuquerque
Finanzministerin Maria Luís Albuquerque greift zu drastischen Maßnahmen

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Jagd auf die Kleinen

29. Mai 2014

Portugiesische Regierung schikaniert individuelle Vermieter

allk - Auf 28 Prozent hat Portugal die Steuer für Mieteinkünfte hochgeschraubt. Der enorme Steuersatz soll dem Staat aus seinem Defizit heraushelfen. Doch genau das Gegenteil passiert. Zwar zieht das Finanzamt den Kleinanbietern Tausende zusätzlicher Euros aus der Tasche. Aber gleichzeitig erspart es den Großanbietern die Abgabe von Millionen-Beträgen.

Estevão Neves hat gut lachen. Als millionenschwerer Geschäftsmann spart er satt mit dem neuen Steuersatz. Erst vor zwei Wochen hat Neves die Vermietungsverträge seiner zwei ehemaligen Großmarktgebäude unterzeichnet. Normalerweise wäre bei einem Mieteinkommen von mehr als hunderttausend Euro pro Jahr im Rahmen der Steuerprogression ein Wert von 45 Prozent fällig geworden. Mit der neuen Regelung aber kann auf „isolierte Besteuerung“ optiert werden. Und so zahlt der Vermieter bloß je 28 Prozent auf seine Mieteinkommen.
Estevão Neves ist aus der Cash- & Carry-Szene ins Hotelgewerbe umgestiegen. Ihm gehören alle EN-Hotels auf Madeira. Der Redaktion der Madeira-Zeitung ist nicht bekannt, ob der erfolgreiche Geschäftsmann zu der starken Hotel-Lobby zählt, die sich durch Kleinanbieter von Ferienunterkünften bedroht fühlt. „Sie graben uns das Wasser ab“, lamentieren die großen Hoteliers seit langem. Nun können sie einen Erfolg verbuchen. Die Kleinanbieter stehen plötzlich bei einem Steuersatz von 28 Prozent mit dem Rücken zur Wand. Vom Vermietungsertrag abzuziehen sind lediglich die Grundsteuer, Kosten für Baumaßnahmen und Unterhalt. Wer meint, die 28prozentige Steuer ruiniere sein Geschäft, muss zusammen mit der Erklärung über Einnahmen aus Vermietung seine gesamte Vermögens-Situation dem Finanzamt gegenüber offen legen.

Die Hochschraubung des Steuersatzes entmutigt die kleinen Anbieter, setzt ihnen geradezu Daumenschrauben an. Ob das der richtige Weg aus Portugals Finanzkrise ist, kann gleich doppelt in Frage gestellt werden: Zum einen sind es die Kleinen, die umliegende Restaurants und Einzelhändler mit zusätzlichen Kunden versorgen - so werden kleine, lebendige Strukturen erhalten und gestützt. Zum anderen verzichtet der Staat auf die Gewinne aus der Steuerprogression.

Wie werden die Kleinanbieter mit der Repression umgehen? Nuno P., ein erfahrener Steuerberater auf Madeira und zuständig für die Ausbildung zukünftiger Kollegen, kommentiert resigniert: „Die drastische Steuererhöhung hemmt die Eigeninitiative. Die Leute, die ein altes Häuschen liebevoll renoviert haben, werden sich doch fragen, ob das nicht eine Fehlinvestition war, wenn sie fast ein Drittel des Ertrags aus der Vermietung an den Fiskus weiterreichen sollen.“ Und Nuno P. befürchtet: „Die Folge wird sein, dass die kleinen Anbieter versuchen werden, an der Steuer vorbei zu vermieten.“

Anmerkung der Redaktion am 16. Juni 2014:

In einem Leserbrief wurde die Zahl von 28 Prozent hinterfragt. Der Leser hatte an anderer Stelle von der Möglichkeit erfahren, es gelte ein Steuersatz von nur 5 Prozent. Diese Besteuerung kommt für Firmen, nicht aber für Privatpersonen in Frage. 

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