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Waren die Wikinger die Ersten?

17. Mai 2014

Mäuse-Fossile weisen in die ferne Vergangenheit

allk - Die Wikinger gelten als Rabauken. Segeln aber konnten sie wie niemand sonst. Verwegen den Stürmen trotzend, pfeilschnell und wendig. Bekannt ist, dass die Wikinger tollkühn und unerbittlich waren, wo sie anlandeten, um zu rauben und niederzuschlagen, wer sich ihnen in den Weg stellte. Die Küstenvölker der damals bekannten Welt erzitterten, wenn die Nordmannen kamen. Nur die Mäuse an Bord der schnellen Boote fühlten sich wohl bei all dem Proviant, den die wüsten Kerle von ihren Landgängen anschleppten.

Knochenreste dieser Mäuse wurden am östlichen Ende von Madeira gefunden, wie die Tageszeitung „Diario de Notícias“ jüngst Ergebnisse einer Forschungsarbeit zitierte. Gleich zwei Mäuse-Fossile ließen sich an der Ponta São Lourenço aufspüren. Einen der beiden Funde datierten die Spezialisten aus Deutschland und von den Kanaren auf 900 – 1030 n. Chr. Die DNA-Analyse fand keine signifikante Übereinstimmung mit den Mäusen, die heute auf Madeira leben, aber wohl mit Mäusen aus der Gegend von Norddeutschland und Skandinavien. Professor Josep Antoni Alcover von der Universität der Balearen hat bei der Analyse mitgewirkt: „Der ausgewertete Fund erlaubt die Vermutung, dass es Wikinger waren, die die Hausmaus nach Madeira brachten. Diese Vermutung muss durch neue Studien morphologischer und genetischer Art an Fossilien der Ponta São Lourenço erhärtet werden. Denn bis heute gibt es keine Überlieferungen von Fahrten der Wikinger nach Makaronesien.“

Gegen die raubeinigen Wikinger war der offizielle portugiesische Entdecker Madeiras ein Dandy. Der Navigator João Gonçalves Zarco setzte 1419 seinen Fuß auf die Insel. Das war vermutlich in Machico, also ganz in der Nähe der Ponta São Lourenço. Obwohl Zarco ein kultivierter Mann war, hatte auch er gewiss Mäuse an Bord. Aber diese wären, falls ihnen die Flucht an Land und dann die paar Kilometer weiter an die Ostspitze gelungen wäre, vierhundert Jahre jünger als die untersuchten Fossilien und wohl kaum mit DNA aus Nordeuropa ausgestattet gewesen. Wahrscheinlicher ist also, dass die Wikinger vor den Portugiesen da waren. Was die Wissenschaftler aber nicht herausbekommen werden, ist, auf welchem Weg die Mäuse an Land gekommen sind. Möglicherweise hat sich einer der Wüstenkerle ein Butterbrot in seinen Rucksack gesteckt, weil man vom Boot aus nur Wald auf der fremden Insel sehen konnte. Zum Butterbrot hatte sich ein Mäusepaar gesellt und als der starke Wikinger nach der Überfahrt Hunger verspürte, sah er, dass die beiden sein Brot angeknabbert hatten. Totschlagen wollte er die possierlichen Nager, aber da waren sie schon weg. Und so blieben die Mäuse auf Madeira, als das Boot der Wikinger längst abgelegt hatte – denn auf Madeira gab es damals rein gar nichts zu rauben.

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