40 Jahre Nelkenrevolution in Portugal

23. April 2014

Am 25. April 1974 putschten Offiziere gegen die Diktatur

rung - Koloniale Beutezüge und Sklavenhandel hatten Portugal reich gemacht.Doch während der fast 50jährigen Diktatur im vergangenen Jahrhundert sackte das Land zum Armenhaus Europas ab. Ein Grund dafür: die portugiesische Staatsmacht war in aussichtslose Kolonialkriege verstrickt. Die Kriege waren teuer und raubten dem Land die jungen Männer. Der Putsch von 1974 ist vergleichbar mit dem Versuch des Hitlergegners Stauffenberg, in einer irrsinnigen Situation die Notbremse zu ziehen.

Anders als beim Anschlag auf Hitler hatten die Offiziere Erfolg. Der Diktator wurde ohne Gegenwehr gefangen genommen. Niemand hatte in Portugal mit einem Staatsstreich gerechnet. Denn der Widerstand der Oppositionsgruppen war lange schon gebrochen. Und die übermächtige katholische Kirche hatte der Diktatur von Anfang an Segen und Loyalität gespendet. Die Putschisten waren von der Kulturrevolution der 60er Jahre beseelt und zielten auf progressive Reformen: Gleichstellung der Frau, Bildung und nationales Gesundheitssystem für alle, freie Presse, Abschaffung des Großgrundbesitzes und fixierte Mindestlöhne und vor allem: sofortiger Rückzug aller portugiesischen Truppen aus Afrika und Aufhebung des Kolonie-Status. Auf den Straßen verteilten Soldaten rote Nelken. Die Flowerpower der Hippies vereinigte sich mit der Idee des Sozialismus. Große Teile der Bevölkerung erkannten die Zeichen der neuen Zeit. Portugal war endlich frei!

Die orthodoxen Kommunisten standen nach dem Umsturz sofort bereit. Sie gehörten der All-Parteien-Regierung an, die den Weg zu demokratischen Wahlen ebnen sollte. Die KP Portugals war aber nicht an Demokratie interessiert. Sie kämpfte für ein Staatsmodell sowjetischer Prägung. Diese Tendenz der Kommunisten säte Zwietracht innerhalb der Erneuerungsbewegung. Die katholische Kirche schwang sich zur Bastion des Widerstands gegen den neuen Kurs Portugals auf. Ihr passte der Modernismus insgesamt nicht, am meisten aber machte sie Front gegen das Bestreben der Kommunisten, Portugal zu einem atheistischen Staat mit sowjetischer Herrschaftsform zu machen. Die Kommunisten heizten die Situation weiter auf, als sie als Regierungspartei einen Beistandspakt mit der Führung der UdSSR abschlossen. Im In- und Ausland befürchtete man einen Einmarsch der Roten Armee wie 1968 in Prag. Hätten sich die Kommunisten mit ihrem Ansinnen durchgesetzt, so wäre den Portugiesen das gleiche Schicksal wie den Ostdeutschen zuteil geworden. Sie wären aus einer rechten Diktatur in eine linke getaumelt. Doch es kam anders. Die KP wurde nach Abschluss des aberwitzigen Beistandspakts entmachtet und Portugal begann mit dem Premierminister Mario Soares von der Sozialistischen Partei zielstrebig seinen Weg in die freiheitliche Demokratie.

Die Revolution von 1974 ist längst Geschichte. Die Idee war groß und ist im Laufe der Jahre verblasst. Geblieben ist die Armut des Landes.
Um auf die frühen Beutezüge zurück zu kommen: Jüngst entdeckte ein unbemanntes U-Boot einen alten portugiesischen Frachtkahn auf dem Meeresgrund zwischen der malaysischen und indonesischen Küste. Die Zeitung „The Star Online“ informiert, dass das Schiff im Jahre 1511 gesunken war. An Bord befand sich der Schatz, unter anderem mit sechzig Tonnen Gold, den portugiesische Eroberer für ihren König Manuel I. von Portugal aus dem Palast des Sultans von Malakka gestohlen hatten. Manch ein Portugiese mag in der verheerenden Finanzkrise des Landes einmal davon träumen, dass solch ein Schiff und die vielen anderen reich beladenen Segelschiffe aus der Vergangenheit wieder aufsteigen. Dem Land den Reichtum zu bescheren, den es verloren hat, und den auch die Nelkenrevolution nicht hat zurück bringen können.

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