Mittagessen auf der Steintreppe
vermutlich keine Franzosen, sondern weitgereiste Deutsche

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Das lassen wir uns nicht nehmen

19. April 2014

Man gönnt sich ja sonst nichts

eins - In der aktuellen Finanzkrise schnallen alle den Gürtel enger. Ein Restaurant-Chef in Madeira hat Beobachtungen angestellt, an welchem Punkt einzelne Völker auf keinen Fall bereit sind, Verzicht zu üben.

Christan S. ist Franzose, hat aber lange in Deutschland gearbeitet, bevor er nach Madeira übersiedelte. In seinem Restaurant ist eins gewiss: „Franzosen kannst du alles nehmen, aber bei der Qualität des Essens kennen die keinen Spaß. Da wird nicht gespart, und ich kann in meinem Restaurant sehen: Franzosen essen nach wie vor gut und schauen dabei nicht aufs Geld.“
Die Deutschen sind ganz anders gestrickt, meint Monsieur S. beobachten zu können. „Die kaufen sich Käse, Wurst und Brot im Supermarkt und sitzen mittags im Park und futtern. Hauptsache, sie können dreimal im Jahr verreisen.“
Wie steht es mit den Portugiesen? Urlaub in fernen Ländern war nie die große Leidenschaft dieses Volkes. Essen ist auch eher bescheiden.Da kann kaum noch gespart werden. Bei der Gesundheit wird in Portugal geknausert, man geht weniger zum Arzt, wenn der privat zu bezahlen ist. Im staatlichen Gesundheitsprogramm, das wenig kostet, nimmt man monatelanges Warten in Kauf. Wo Portugiesen am wenigsten zu sparen bereit sind, ist für Christian S. Sonnenklar: Das Auto. „Alle Portugiesen ächzen unter der Steuerbürde. Und gleichzeitig kaufen sie sich – wenn irgend möglich – ein neues Auto. In Portugal bist du, was du fährst. Daran spart keiner.“ Tatsächlich wurden nach Madeira in den ersten beiden Monaten des Jahres 2014 42 % mehr Neuwagen verschifft als im Vergleichszeitraum 2013. In 2014 waren das 551 Autos. Die Autohändler Madeiras scheinen ihre Klientel zu kennen. Der Neuwagen macht aus jedem Portugiesen eine Persönlichkeit. „Bei allem, was man sich sonst verkneift, soviel muss ein“, meint der Restaurantbesitzer Christian S. augenzwinkernd.

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