Centro das Artes Calheta
Die rote Stahl-Skulptur ist von weitem sichtbar

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Portugals Telecom hat auch einen Draht zur neuen Kunst

8. April 2014

Die Sammlung der Telefongesellschaft im Kunstmuseum von Calheta

eins - Kunst, die vielfach mit der Künstlichkeit spielt, zeigt die bis zum 11. Januar 2015 datierte Ausstellung im imposanten Musentempel über dem Badestrand von Calheta. 64 Werke zeitgenössischer, fast ausschließlich portugiesischer Artisten werden exponiert. Einige von ihnen sind sehenswert.

„Don't go there!“ nennt João Pedro Vale seinen kleinen roten Teppichflecken, um den herum es nach Erdbeeren riecht. Der Künstler hat den Bodenbelag mit Erdbeerkaugummi überzogen. Nicht ganz so sinnlich ist das Selfie von Rita Barros, einer der wenigen Frauen in der Ausstellung. Die Künstlerin hat sich selbst fotografiert, als künstliches Modell vor bekannten Exponaten der Pop-Art (z.B. Campbell-Dose) posierend. Imposant das hochformatige Bild eines Jünglings, der mit nackter Brust, blond, blauäugig, unter einem papierenen Vorhang in den Ausstellungssaal hineinschaut. Verliefe nicht die Form der Brust ganz unnatürlich, würde das Bild als naives Foto gelten. So aber fragt man sich, wo endet die schlichte Fotografie und wo beginnt die Nachbearbeitung im Bild. Eine Frage, die man sich bei den Titelseiten von TV-Programmzeitschriften immer seltener stellt, weil die Künstlichkeit der Gesichter normal zu werden scheint.

Ein denunziatorisches Werk ist Moon 4 von Miguel Soares. Es zeigt den Astronauten Neil Armstrong 1969 auf dem Mond mit der amerikanischen Flagge. Dabei ist der Schatten, den derjenige wirft, der Armstrong fotografiert, als falscher Schatten im Bilde präsent. Fotos der Besetzung des Mondes, die die NASA veröffentlicht hat, zeigen keine Schattenumrisse des Fotografen. Es gab immer wieder Stimmen, die behaupteten, die Amerikaner wären damals gar nicht auf dem Mond gelandet, sondern die Aufnahmen der sogenannten Landung wären in geheimen NASA-Studios entstanden. Diese kritischen Stimmen begründen ihre Zweifel mit angeblich falschen Schattenumrissen auf den offiziellen Fotos der US-Behörden. Hier scheint der Künstler Miguel Soares anzuknüpfen, indem er nämlich in seinem Bild von der Mondlandung einen nie gesehenen Schatten fingiert. Doch der Artist geht noch weiter. Das hinlänglich bekannte Bild vom Astronauten und der amerikanischen Flagge auf der Mondoberfläche lässt sich als Ausstellungsexponat nur in einer Distanz von fünf Metern und mehr als solches erkennen. Nähert man sich dem Exponat, so zerfällt die Bildfläche zusehends in kleine farbige Papier-Rechtecke, auf denen Belanglosigkeiten der IT-Welt stehen. Die Rechtecke sind farblich geordnet, gehorchen aber sonst keiner kohärenten Ordnung. Bei näherem Hinsehen bleibt von der angeblichen Mondlandung der Amerikaner nichts mehr übrig. Denn das Bild davon hat sich aufgelöst. Wie ernst man die Vorwürfe an die amerikanische Propagandamaschine auch immer nimmt, Moon 4 ist genial!
Ein sicherer Grund, die Ausstellung zu besuchen.

"Obras da Colecção de Arte Contemporânea da Portugal Telecom"

zu sehen im Centro das Artes von Calheta, noch bis zum 11. Januar 2015

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 - 13 und 14 - 18 Uhr

Eintritt: EUR 5,-
Parkplatz (im Parkhaus) frei

Museums-Shop und Museums-Café

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