Uralte Maschinen zum Auspressen des Zuckerrohrs
Uralte Maschinen zum Auspressen des Zuckerrohrs

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auspressen und hexeln, sieden und fermentieren

30. März 2014

Zuckerrohrfabriken arbeiten rund um die Uhr

eins -Engenho da Calheta, später Nachmittag. Ein Bild wie in einem naturalistischen Schauspiel des 19. Jahrhunderts. Bleiche Gesichter, müde Körper, die riesige Berge von Zuckerrohr verarbeiten. Die Maschinen stammen aus der Zeit der industriellen Revolution in Mittelengland. Die Löhne der Saisonarbeiter sind wohl etwas höher als damals. Trotzdem muss man richtig schuften, um wirklich was rauszukriegen.

Sechs Zuckerrohr-Fabriken arbeiten noch auf Madeira. Früher gab es in jedem noch so kleinen Dorf zwischen Calheta und Funchal einen „Engenho“. Die vielen hohen runden Schornsteine zeugen davon. Doch die Konkurrenz aus Südamerika wurde immer stärker. Rohrzucker kommt nur noch aus diesen Ländern. Madeira hat sich konzentriert auf die Herstellung von Melasse (Mel de Cana) und Rum (Aguardente). Aus 1 Tonne Zuckerrohr werden 100 Liter Melasse gewonnen. Das ist eine klebrige braune Masse, die für sich genommen schmeckt wie angebranntes Lakritz. Mel de Cana wird zum Backen verwendet, insbesondere für den traditionellen Honigkuchen (bolo de mel). Oder der Zuckerrohrsaft wird zu Rum verarbeitet. Aus 1 Tonne Zuckerrohr werden dann 60 Liter hochprozentiger Alkohol gewonnen. Es gibt weißen und bräunlichen „Aguardente“ - Kenner behaupten, der Braune sei einem Weinbrand ähnlich. Der laienhafte Tester in der Probierstube der Zuckerrohr-Fabrik schmeckt diese Ähnlichkeit nicht unbedingt heraus...Dass der „Aguardente“ auf Madeira notwendig ist zur Produktion der allgegenwärtigen „Poncha“ leuchtet den Besuchern dagegen sofort ein.

Die Zuckerrohr-Ernte 2014 fällt hervorragend aus. Man rechnet mit sechstausend Tonnen Rohware, die beste Ernte seit 1984, wie Madeiras Landwirtschaftsdezernat verlauten ließ. Auf den Feldern wird schon seit Mitte März geschnitten und gebündelt, die bis oben hin beladenen LKW stauen sich vor der Fabrik in Calheta bis weit hinauf an der Straße. Schon von weitem schlägt einem der süßlich-schwere Duft entgegen und der Lärm der uralten Maschinen dringt nach außen. Nur der weiße Dampf strömt nicht mehr aus dem Schornstein: Schon in 2013 wurde die Dampfmaschine durch einen elektrischen Motor ersetzt.

Der Erlös der Ernte in diesem Jahr liegt bei über 1,5 Millionen Euro. Die 719 registrierten Zuckerrohr-Bauern kommen auf einen durchschnittlichen Erlös von fast 2200 Euro. Dieser Betrag ist sicher kein „Reibach“, denn harte körperliche Arbeit steckt darin - und reichlich Wasser, das nicht nur vom Himmel gefallen ist, sondern aus der Levadawasser-Zuteilung stammt. Nur die Sonne scheint umsonst.

Besichtigen: Die Zuckerrohr-Fabrik in Calheta, gleich rechts hinter der Kirche auf dem Weg vom Kreisverkehr zum „Calheta Beach“, kann nach wie vor kostenlos besichtigt werden, sowohl die Presse als auch die Siedekessel. Diese Maschinen arbeiten nur während der unmittelbaren Verwertung der Ernte, also jetzt und in den kommenden Wochen. In der übrigen Zeit des Jahres stehen die Maschinen still, die Besichtigung der Räume und der Besuch der Probierstube sind dennoch möglich.

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