Mädchen am Hafen von Funchal, Ölgemälde
Mädchen am Hafen von Funchal, Ölgemälde von João Vaz

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Kunst-Welten

13. Februar 2014

Impressionismus und Zeitgenössisches als Bebilderung eines politischen Kampfes

heine - Kämpfe werden in Farben ausgetragen. Das Fußballspiel lebt nicht allein von Torschüssen und Fouls, es lebt in leuchtenden Trikots und bunten Stiefeln. Im zelebrierten Gemetzel des Stierkampfes peitscht das Rot des geschwenkten Tuchs die Hysterie in den Rängen der Arena auf, stürzt übersät mit blutig roten Wunden die gepeinigte Kreatur schließlich in den goldenen Sand. Den politischen Kampf besetzten Grundtöne schwarz rot grün gelb blau. Zwei aus Madeiras orangefarbener Partei gehen derzeit im Machtkampf um den Kurs der Insel aufeinander los und haben beiläufig Bilder im Gepäck.

Der eine ist ein hartgesottener Haudegen, der andere ein smarter Neukonservativer. Der eine regiert Madeira seit über dreißig Jahren mit eiserner Hand, sein Herausforderer will die Provinzialität der Insel überwinden. Der über das Regieren alt Gewordene lässt sich verehren wie ein Halbgott. Er ließ unlängst für seinen Amtssitz einen Impressionisten anschaffen. Mädchen am Aussichtspunkt heißt das Ölgemälde von João Vaz (1859 – 1931). Weil das Werk der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, zeigen wir seine Fotografie. Das Gemälde hängt dekorativ in der Quinta Vígia, wohin der Regent hohe Tieren einlädt. Das Mädchen im Bilde steht an einem Aussichtspunkt, der im heutigen Park des Regierungspalastes zu finden ist. Der Regent könnte also selbst mit wenigen Schritten dorthin gelangen. Dreht man diesen Gedanken um, könnte der Regent also selbst in dem Bild stehen, an dem er seine bedeutenden Besucher vorüberführt. Und siehe da, der polternde, hässlich Alte mutiert zu einem gar anmutigen Geschöpf, das ganz in Weiß seine Unbescholtenheit ausstellt.Blau das Meer, über das sehnsüchtig der Blick streift, und Grün des Baumes Blätter. Impressionen von Jugendlichkeit, die die Halle durchwalten. Leider passt das Ölgemälde nicht zu der Regierungsarbeit. Die Insel Madeira ist mit einem Autobahn- und Tunnelsystem überzogen. Darin hat kein Impressionismus Platz, da würde ein Rennauto aus dem italienischen Futurismus besser passen.

Sein Herausforderer macht sich für die verrückten, chaotischen, überraschenden, unberechenbaren zeitgenössischen Künstler stark. Es gibt in Funchal ein Museum für zeitgenössische Kunst, untergebracht in der verzaubernden Fortaleza de São Tiago am westlichen Ende der Altstadt, am Rande des brandenden blauen Atlantiks. In den spannend hergerichteten Katakomben der Festung aus dem 17. Jahrhundert entsteht ein Farblabyrinth, aus dem Ideen übersprudeln und sich mit dem Rauschen des Meeres verbinden. Der Herausforderer will allerdings die zeitgenössische Kunst in ein anderes, moderneres Gebäude umsiedeln. Das ist eigentlich schade. Die zeitgenössische Kunst soll, direkt in der Hafenzone untergebracht, zeigen, wie modern, weltoffen und überraschend Madeira sein kann. Wenn nicht der Alte die Zügel in der Hand behält......

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