Aus Madeira werden reale und fiktive Güter exportiert

31. Januar 2014

Die Freihandelszone birgt so manches Rätsel

han - Madeiras Wirtschaft basiert auf zwei Säulen: Bananenanbau und Tourismus. So vermuten die meisten Feriengäste der Insel. Kaum einer kennt die dritte Säule: Madeiras Freihandelszone.

Die Franzosen unter Sarkozy hatten die restlichen Europäer fast so weit. Sie verlangten die Schließung der Freihandelszonen. Dann erwischte Portugal die Krise und Madeiras Freihandelszone rettete sich über die Runden. Mit einer Akzentverschiebung freilich. Die im Offshore-Bereich angesiedelten Firmen zahlen inzwischen vier Prozent Steuern an den Staat.

Wie die akkreditierten Firmen sich produzieren, verblüfft bisweilen, weil sie nämlich gar nichts produzieren – einige zumindest. So weist Madeiras Exportstatistik für das Jahr 2012 beispielsweise eine Ausfuhr von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen im Wert von 57,4 Millionen Euro aus. Dazu muss man wissen, dass Madeira keine einzige Fabrik besitzt, die Autos oder Autozubehör herstellt. Die Exportware ist einfach nur in Madeiras Freihandelszone verbucht worden, ansonsten nie auf Madeira gewesen und folglich hat sie Madeira auch nie verlassen.
Fiktiv ist nicht alles. Lebensmittel führte Madeira für mehr als zwanzig Millionen aus. Darin sind die Bananen enthalten, deren Exportvolumen etwas mehr als ein Drittel des Betrags ausmacht. Was ganz groß zu Buche schlägt, sind Zucker und Süßigkeiten. Das ist der Realfaktor im fiktiven Dschungel der Freihandelszone. Der Weltmarktpreis für Zucker liegt deutlich unter dem in Europa festgesetzten Preis zum Schutze der Zuckerrübenbauern. So wird anders als bei der Autoverschiebung in riesigen Mengen Zucker von Lastkähnen in Madeiras Offshore-Hafen an der Südküste gelöscht, dort verpackt oder verarbeitet und dann – als europäisches Produkt - wieder verschifft.

Was Madeira genau von der Freihandelszone hat, liegt nicht unbedingt auf der Hand. Ins Leben gerufen wurde sie während der 70er Jahre. Und zwar als Reaktion auf den Ölpreisschock. Madeira konnte mit der steuerfreien Einfuhr von Öl der Benzinpreiserhöhung entgegensteuern. Danach waren jahrzehntelang Firmen des internationalen Exporthandels am Ball, die selber einen großen Gewinn aus der Steuerfreiheit schlugen, aber kaum Arbeitsplätze schaffen. Sie profitieren von der Fiktivität. Die vier Prozent Umsatzsteuer bringen der Insel inzwischen einiges ein. Madeiras Regierung feiert einen Anstieg der Steuereinnahmen 2013 um 113 Millionen Euro, die sich hauptsächlich der Freihandelszone verdanken. Dem Außenstehenden keimt der Verdacht, dass es sich bei dem Offshore-Geschäft um eine Geisterzone handelt, in der nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

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