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Notfallhospiz der NATO

21. November 2013

Madeiras Krankenhaus bewirbt sich als Soforthilfezentrum

Die Tageszeit Diario de Noticias berichtete am 11. November 2013 über eine beabsichtigte Kandidatur des Zentralkrankenhauses von Madeira für eine Ernstfall-Versorgung im Nato-Rahmen. Das Krankenhaus sei durch Schulungen bestens vorbereitet für die Behandlung von Traumatisierten und von durch Katastrophen aller Art Betroffenen, erklärter der Leiter der Notfallaufnahme des Krankenhauses, Dr. Pedro Ramos, gegenüber der Presse: „Das Ergebnis der Untersuchungen ist, dass wir mit allen Kräften der zivilen Verteidigung befähigt sind, auf Katastrophen gleich welcher Art eine entschiedene Antwort zu geben. Zu diesen Kräften gehören Sicherheitsleute, Polizei, Feuerwehr, Öffentlichkeitsarbeiter, Techniker , Soziologen, Psychologen, Ärzte, Krankenschwestern und Soldaten.“

Zur NATO-Kandidatur des Zentralkrankenhauses von Madeira lesen Sie im Folgenden einen Kommentar von Pedro Santos-Latour.

lat - Zufällig war ich kürzlich Patient in der Notfallstation des Zentralkrankenhauses. Unzählige Patienten lagen da auf fahrbaren Betten in Korridoren und Zimmern, deren Türen wegen Überfüllung nicht zu schließen waren. Die wenigen freien Stellen in der Station wurden gesäumt von wartenden Patienten. Wenn da noch die ganzen Hilfskräfte aufgenommen werden sollen – also jene Sicherheitskräfte, Feuerwehrleute, Polizisten usw. bis hin zu den Soziologen (was sollen die eigentlich dabei?) bleibt wohl kaum noch Platz für die Katastrophenopfer selber. Es sei denn, die (und das meine ich ernst) gut ausgebildeten Ärzte und Krankenschwestern verlassen auf der Stelle die Station und gehen in ein besseres Krankenhaus. Das schaffte Platz! Das Zentralkrankenhaus von Madeira ist marode, platzt aus allen Nähten und es fehlt periodisch an dem Allernötigsten: Manchmal ist der Impfstoff ausgegangen, manchmal fehlt es an OP-Kitteln für die Patienten oder an Latex-Handschuhen für die Chirurgen. Bisweilen müssen sich die Pflegekräfte gar Klopapier von zu Hause mitbringen.
„Im Krankenhaus wird exzellente Arbeit geleistet“, bekundet kürzlich der Regierungspräsident. Auf mich wirkte er dabei wie Erich Honecker kurz vor dem Mauerfall. Madeira sollte längst einen Neubar für das Krankenhaus besitzen. Die Regierung hatte dafür sehr viele Kleinbesitzer von Land enteignet. Doch zum Bau des neuen Krankenhauses kam es nicht, weil die Finanzkrise ein Loch in den Haushalt riss. Nun versuchen Politiker, die auf dem letzten Loch pfeifen, Geld an Land zu ziehen, wo sie nur eben können. Da wird dann auch der Chef der Notaufnahme ins Rennen geschickt, um bei der NATO abzusahnen. Der prahlt denn auch, bei einem Großbrand in Sommer – also bei einer echten Katastrophe – hätten die Einsatzkräfte schon gezeigt, was sie alles können. Es seien in perfektem Einsatz die Patienten des Uralt-Krankenhauses von Monte evakuiert und danach vorbildlich betreut worden. An dieser Aktion könne man ersehen, wie geeignet Madeira ist, die Aufgaben eines Notfallzentrums zu übernehmen. Was Dr. Ramos dabei verschwieg, ist die Tatsache, dass der Chef der Psychiatrie eben jenes Uralt-Krankenhauses nach der vorbildlichen Evakuierung unter Protest sein Amt niedergelegt hat. Man hatte nämlich nicht das gesamte Krankenhaus leer gezogen. Während des Großbrandes in der Nachbarschaft waren die „Verrückten“ in der geschlossenen Abteilung verblieben.

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