Ilhas Selvagens
Postkarte zur Erinnerung an den Besuch von Staatspräsident Cavaco auf den Ilhas Selvagens im Juli 2013 osamigosdafilatelia.blogspot.pt

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Nickelige Spanier und lächelnde Portugiesen

11. September 2013

Zur Physiognomie eines Konflikts

eins - Während die USA und Israel einen Vergeltungsschlag gegen Syrien proben, läuft zwischen Spanien und Portugal ein vergleichsweise harmloses Geplänkel ab. Krieg wird es nicht geben zwischen den iberischen Nachbarn. Aber man zeigt Flagge – und zwar auf jeweils landestypische Weise.

Da ließ es sich der Staatspräsident von Portugal im Juli einfallen, der kleinen portugiesischen Inselgruppe Selvagens einen zweitägigen Besuch abzustatten. Das Ganze sah aus wie ein Schulausflug, kostete den verarmten Staat aber satte 250 Tausend Euro. Präsident Cavaco kam mit der Luftwaffe von Lissabon nach Funchal geflogen, wo ihn und seinen Hofstaat eine Fregatte der Marine aufnahm, um zu dem südlichsten Punkt Portugals zu tuckern. Eine 250 km lange Nachtfahrt, auf die am anderen Morgen ein Landgang des höchsten Staatsbeamten folgte. Die Selvagens sind karge, unbesiedelte Inselchen, die nur 165 km von den Kanaren entfernt liegen. Nach einem kurzen, diplomatisch aber brisanten Gänsemarsch auf einem Trampelpfad über Steppen-Bewuchs kehrte die portugiesische Truppe ohne weitere Umstände zurück nach Funchal, wo der Staatspräsident den Ausflug mit den Sätzen beendet, er werde die Selvagens in den Rang eines portugiesischen Naturparks erheben. Grund für die demonstrative Begehung und eigentlich auch Besetzung der Selvagens durch Herrn Cavaco, der mit Vornamen Hannibal (Anibal) heißt, ist ein Schreiben der spanischen Regierung an die UNO, in dem behauptete wird, die Selvagens seien gar keine Inseln, sondern nur ein paar Felsen im Meer. Tatsächlich umfaßt das Territorium dieser einsamen Inseln nur 35,6 Quadratkilometer. Aber mit ihrer Hilfe kann Portugal seine Hoheitsgewässer um 12 Seemeilen vor der kanarischen Nase Spaniens ausweiten und seine exklusiven Fischereirechte von 200 auf 350 Seemeilen ausdehnen.
Die Spanier haben den Anspruch Portugals auf die Selvagens in der Vergangenheit immer wieder in Frage gestellt. Sei es 1970 durch das Hissen einer spanischen Flagge, sei es durch die Landung eines Hubschraubers der Luftwaffe 1996 und ein Jahr später durch den Tiefflug von spanischen Kampfjets über die 21 Inselchen. Jetzt heißt es plötzlich aus spanischem Munde: Sind gar keine Inseln, sind doch nur Felsen im Meer, und deshalb Schluß mit dem portugiesischen Anspruch auf das Meer drumherum!

Tatsächlich wurden die Inseln im Jahr 1971 durch Portugal von einem Privatbesitzer gekauft. Schon damals wurde eine Naturschutzzone eingerichtet – vor allem zum Schutz der Sturmvögel.

Der portugiesische Staatspräsident hat den jüngsten spanischen Zersetzungsversuch auf sehr portugiesische Weise gekontert. Nämlich mit einem launigen Übernachtungsausflug und anschließender Erhebung der Eilande zum „Patrimonium“. Die Zunge hat der portugiesische Staatspräsident den Spaniern nicht herausgestreckt, sein Lächeln sah auch nicht hämisch aus. Der Gänsemarsch auf dem größten Eiland der Selvagens-Gruppe entsprach dem Ernst der Lage oder genauer: der Art, wie Portugiesen in ernster Lage handeln.

Die Spanier beißen sich derzeit nicht nur an den Portugiesen die Zähne aus. Auch an der Grenze zu Gibraltar köchelt es. Wegen der Behinderung spanischer Fischer durch Maßnahmen der Enklaven-Verwaltung schikaniert der spanische Zoll Ausreisende an der Grenze zum britischen Hoheitsgebiet. Sicher ist Nickeligkeit kein absolutes Wesensmerkmal der spanischen Mentalität. Aber der spanischen Regierung fehlt bei Streitigkeiten mit anderen europäischen Regierungen die Leichtigkeit.

Die Leichtigkeit beim Ausflug des portugiesischen Staatspräsidenten hat allerdings auch etwas von unfreiwilliger Komik. Da unternimmt einer, der Hannibal heißt, eine Landnahme im Atlantik, und lächelt dabei wie der Kasper aus dem Kindertheater.

Immerhin hat er dabei die Herzen seiner Landsleute gewonnen. Eine Postkarte anläßlich des Ausflugs hat die portugiesische Post prompt in Umlauf gebracht. Sie zeigt die größte Insel der Selvagens, und alle können nun sehen, wo der Präsident hergegangen ist. Auch die Spanier.

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