Autobahn und Tunnelröhren
Foto: tpf planege

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Wir fahr'n, fahr'n, fahr'n auf der Autobahn

25. August 2013

Den staatlich beauftragten Pannenservice lässt sich Madeira satte 2,5 Milliarden Euro kosten

allk - Angela Merkel hatte Recht. Vor Schülern legte die Bundeskanzlerin im Frühjahr 2012 dar, wie unkontrolliert Brüssel Geld verteile. Auf Grund eigener Anschauung konnte die prominente Madeira-Touristin beschreiben, wie die kleine Insel im Atlantik mit den Fördergeldern der EU zwar ausgezeichnete Autobahnen gebaut, aber nicht in die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur investiert habe. Es gab darauf hin ein Wutgebrüll der Regionalpolitiker, sogar eine Protestnote des Inselparlaments an die Feindin in Deutschland. Doch angesichts aktueller Fakten verstärkt sich der Verdacht: Wohl wahr, Angela!

Madeira ging unter anderem bankrott, weil der Regierungspräsident mit Volldampf weiter Straßen und Tunnels bauen ließ, als längst klar war, dass er die Arbeiten nicht mehr bezahlen konnte. Die Schulden der Autonomen Region Madeira wuchsen ins Unermessliche und wurden – da sie das gesetzlich fixierte Limit weit überschritten – von der Regierung versteckt. Gleichzeitig stornierte der Inselregent den Neubau des dringend gebrauchten Zentralkrankenhauses. Wer heute das alte Allgemeinkrankenhaus in Funchal aufsucht, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Gut ausgebildete Krankenschwestern und Ärzte leisten einen verzweifelten Kampf gegen den allerorts sichtbaren Mangel. Dass ein derart heruntergekommenes Krankenhaus innerhalb der Europäischen Union zu finden ist, kann sich ein Mitteleuropäer kaum vorstellen. Das Geld für den Neubau wäre wohl da gewesen. Statt aber in der Krankenversorgung zu punkten, wartet Madeira mit einem grandiosen Autobahn- Tunnel-System auf. Ein luxuriöser Exzess ist dabei, dass zwei Pannenservice-Unternehmen seit 2000 und 2004 Tag und Nacht auf diesen Straßen patrouillieren. Ihr staatlich finanzierter Auftrag ist, liegen gebliebene Fahrzeuge zu bergen und generell für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Dieser offizielle Auftrag kostet Madeira seit 2000 bis heute insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Das Geld hat die Inselregierung zum Teil bezahlt, 280 Millionen sind als Kostenforderung neu eingereicht worden, berichtete jetzt die Tageszeitung „Diário de Notícias“. Diese Forderungen gelangen vermutlich auf den großen Haufen unbezahlter Rechnungen. Ohne Konsequenz daraus patrouillieren die Fahrzeuge der Pannendienste „via litoral“ und „via expresso“ weiterhin auf den Straßen. Falls Angela Merkel noch einmal Ferien auf Madeira macht, weiß sie schon: Es ist besser auf der Inselautobahn liegen zu bleiben als im Zentralkrankenhaus von Funchal.

Anmerkung der Redaktion:
Michael Rother (Ex-Kraftwerk) tritt am 30. August 2013 in Ponta do Sol auf. Ob er bei seinem Solokonzert den großen Hit „Autobahn“ spielt, konnten wir nicht in Erfahrung bringen

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