Ein Wasserfall stuerzt sich in den eiskalten Teich
Foto. Christa Sewera
Kleine Wasserfälle im Unterholz
Foto: Christa Sewera

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Rabaçal ist der Renner

13. August 2013

400 Touristen sind dort täglich unterwegs

eins/sts  Wer auf Madeira Ferien macht, muss mindestens einmal Wandern gehen. Die Wahl fällt oft auf das Gebiet von Rabaçal – sicherlich eines der schönsten Wandergebiete Madeiras.

Die alte Straße zum Forsthaus von Rabaçal beginnt auf der Hochebene Paúl da Serra im Westen der Insel. Das Forsthaus liegt mitten im als UNESCO-Kulturerbe geschützten Lorbeerwald und ist Ausgangspunkt einiger schöner Wanderungen. Ein kleiner Spaziergang auf breitem Weg führt entlang der Levada do Risco in zwanzig Minuten zum Risco-Wasserfall. Jetzt im Sommer ist es wirklich nur ein „Strich“ (= risco), der den Verlauf des Wasserfalls anzeigt. Doch das viele Grün, die unterschiedlichen Bäume und Blumen im Lorbeerwald, die Goldhähnchen und Buchfinken und schließlich das dunkle Halbrund hoch über dem Gebirgsbach machen diesen kleinen Weg außerordentlich lohnend.
Wer länger unterwegs sein will, macht sich auf den Weg zu den 25 Quellen (Levada 25 Fontes). Die Treppen hinab (und irgendwann ja auch wieder hinauf) vom Forsthaus zur Levada überfordern schon zu Beginn schlecht ausgerüstete und ungeübte Spaziergänger. Eine weitere Treppe führt später hinab zum kleinen Fluss und jenseits des Tales wieder hinauf, die Levada passiert diese Strecke in kommunizierenden Röhren – auch den Erkenntnissen der Physik sonst nicht so zugetane Besucher sind fasziniert. Der Levadaweg ist im Folgenden recht schmal, und manchmal fällt der Hang hier steil ab in die Tiefe.
Eine richtig lange Wanderung führt noch eine „Etage“ tiefer auf die Levada Rocha Vermelha. Wer hier angekommen ist, hat die Massen auf jeden Fall hinter sich gelassen.

Über einen langen Zeitraum hat die Forstverwaltung das Aufkommen der Wanderer in diesem Gebiet registriert, berichtete jetzt die Tageszeitung Diário de Notícias. Ohne große Schwankungen liegt der Durchschnitt bei 400 Besucherinnen und Besuchern pro Tag. Einmal waren es gar doppelt so viel – da gab es an den Kreuzungen wohl schon Warteschlangen und scherzhafte Forderungen nach Ampelschaltungen wurden laut...
Dass die Schönheit des Lorbeerwaldes bei Rabaçal in allen Reiseführern gelobt wird, wirkt sich also manchmal negativ aus. Jeder weiß: Wer hier nicht gewesen ist, hat Madeira nicht gesehen. Und also steigen jeden Morgen, meist so gegen zehn, die vierhundert Touristinnen und Touristen aus Reisebussen, Kleinbussen und Autos. Der Parkplatz oberhalb des Forsthauses (von hier aus ist es noch eine halbe Stunde Fußweg über die alte Straße, alternativ kann man auch den Shuttle-Bus des Landkreises Calheta nutzen) ist übervoll.

Dabei ist es vor allem die Levada der 25 Quellen, auf der die Besucherinnen und Besucher unterwegs sind. Keineswegs alle sind gut ausgerüstet und längst nicht jeder staatlich geprüfte Wanderführer hat seine Gruppenmitglieder beim Einsteigen in den Wanderbus aufgefordert, Flip-Flops gegen gute Wanderschuhe zu tauschen. So kommt es auf dieser beliebten Madeira-Wanderung auch immer wieder zu Unfällen. Nicht der Schwierigkeitsgrad ist das Problem, sondern die Tatsache, dass auch diese schöne und leichte Wanderung durch den Gebirgswald führt und die auf allen Wanderungen nötige Vorsicht und Achtung in der Natur erfordert.
Wer den Kessel der 25 Quellen für sich allein genießen will und vielleicht einmal in Ruhe nachzählen möchte, wie viele Quellen sich denn nun wirklich hier in den runden Gumpen ergießen, der sollte entweder wirklich früh losgehen oder den ruhigen Nachmittag für die Wanderung wählen. Die Abendsonne hüllt die tief eingeschnittenen Täler im Lorbeerwald in ein sanftes Licht, es ist still und kühl. Zurück am Forsthaus angekommen, ist der letzte Shuttle-Bus vielleicht schon abgefahren und man kommt um den Aufstieg entlang der Straße nicht herum.
Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Im Gebiet von Rabaçal gibt es keinerlei Restaurants oder Bars. Am Brunnen hinter dem Forsthaus fließt immerhin Wasser. Ansonsten muss jeder mitbringen, was unterwegs verzehrt werden soll.

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