Zur Zeit keine neuen Dengue-Fälle

25. April 2013

Wie Urlauber vorbeugen können

sts - Im Oktober vergangenen Jahres traten die ersten Dengue-Fälle in Madeira auf. Urlauberinnen und Urlauber wollen schon vor der Reise wissen, wie sie individuell vorbeugen können.

Schon Anfang Februar war die Zahl der Neuerkrankungen bis auf Null zurückgegangen. Im März und April wurden keine neuen Dengue-Infektionen gemeldet. Ärzte und Forscher gehen jedoch davon aus, dass mit der zunehmenden Erwärmung in den kommenden Wochen die Mücken wieder aktiv werden und es zu neuen Dengue-Fällen kommt.

Nach wie vor werden die Pläne zur Eliminierung der Tigermücke (Aedes Aegyptii) verfolgt. Bis ins kleinste Dorf findet man an öffentlichen Einrichtungen Plakate, die die Bevölkerung zur Mithilfe aufrufen. Jedes Kind auf Madeira weiß inzwischen, dass auch die kleinsten Wassermengen, die an der frischen Luft herumstehen, eine mögliche Wiege für den Nachwuchs der Mücke darstellen. Nicht nur die alten Autoreifen, die immer wieder zitiert werden – auch Blumenuntersetzer, Vogeltränken, kleine und große Springbrunnen sind gefährlich. Aber während viele Privatleute ja durchaus bereit sind, den Springbrunnen im Garten abzuschalten und die Vogeltränken täglich gründlich und mit etwas Chlor im Reinigungswasser sauber zu halten, sind die Wassertanks auf dem Land für die Landwirte unentbehrlich. „Abgedeckt“ sind diese Wasserbecken häufig nur durch Maschendraht. Der verhindert zwar zuverlässig, dass ein Kind hineinfällt, für die Mücke ist er aber kein Hindernis. Viele Madeirenser sind deshalb skeptisch, was den Erfolg der Ausrottungsmaßnahmen betrifft. „Die ganze Altstadt mit Giftspray überziehen, so wie ich das in Brasilien erlebt habe,“ erzählt Nuno G., der in dem südamerikanischen Land gearbeitet hat, „das können die hier in Funchal nicht machen. Diese Gifte sind absolut gesundheitsschädlich auch für Menschen und Tiere, das ist bei uns verboten. Hier gelten die europäischen Bestimmungen.“
Im privaten Bereich hilft die Giftspritze ebenfalls nicht viel, erläutert Carlos B., Techniker bei einer großen Insektenbekämpfungsfirma. „Die Mücken fliegen ja herum. Wenn Sie in Ihrem Schlafzimmer spritzen, sind alle darin befindlichen Mücken tot. Aber das hält nur für kurze Zeit, eine Stunde wäre schon lange. Denn sobald Sie das Fenster wieder öffnen, können neue Mücken hereinfliegen.“

Inzwischen wissen die Forscher, dass auf Madeira derzeit nur ein einziger „Serotyp“ (= bestimmte Variante) des Virus übertragen wird, der eine weniger starke Form des Dengue-Fiebers bewirkt. Das ist der Grund, warum es bisher auf Madeira bei Infizierten mit dem Dengue-Virus nicht zu den starken inneren Blutungen gekommen ist, die das Dengue-Fieber in den Tropen zu einer gefürchteten Krankheit machen. Todesfälle hat es ebenfalls nicht gegeben. Die meisten Infizierten klagen über Grippe-Symptome, starke Glieder- und Kopfschmerzen und Fieber. Nach einigen Tagen ist die Krankheit überwunden. Je nach dem Gesundheitszustand des Patienten vor der Infektion kann die Krankheit gelegentlich auch heftig ausfallen und den Patienten enorm schwächen.

„Die Behörden haben Pläne entwickelt, wie verhindert werden kann, dass sich ein weiterer Serotyp auf Madeira einrichten kann,“ berichtet die Krankenschwester Ana Maria C. aus Calheta. „Flugreisende aus Gebieten, in denen Dengue-Fieber vorkommt, zum Beispiel Venezuela, werden entsprechend informiert. Man kann nur hoffen, dass das hilft – irgendwie muss ja auch der jetzt schon vorhandene Virus-Typ nach Madeira gekommen sein. Vermutlich durch eine bereits erkrankte Person, die nach Madeira eingereist ist, sehr wahrscheinlich ja mit einem Flugzeug.“ Eine Impfung gegen das Dengue-Fieber gibt es nicht.

Individuelle Vorbeugemassnahmen

Für den persönlichen Schutz bleibt also nur die Anwendung von Insektenschutzmitteln auf der Haut oder zum Aufsprühen auch auf die Kleidung. Auf Madeira werden als wirksam nur Mittel betrachtet, die DEET enthalten. Dieses seit Jahrzehnten bekannte Insektenschutzmittel gilt vielen als gesundheitsschädlich, und kann beispielsweise Allergien auslösen. Die madeirensischen Gesundheitsbehörden halten jedoch den sicheren Schutz für wichtiger als das Risiko von Nebenwirkungen. Ob DEET in einem Produkt enthalten ist, erfährt man aus der Liste der Bestandteile oder in der Apotheke.

Ein Mückengitter oder ein Moskitonetz im Schlafzimmer werden ebenfalls häufig empfohlen, obwohl die Tigermücke als „tagaktiv“ gilt.

Die Ratschläge des Auswärtigen Amtes, das ausdrücklich „keine Reisewarnung“ ausspricht, umfassen zusätzlich das Tragen von heller Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen.

Die Fakultät für Pharmazie der Universität Coimbra empfahl Zusatzmaßnahmen mit pflanzlichen Mitteln. Pfefferminz und Eukalyptus zum Beispiel stören die Verbreitung der Tigermücke. Die Blätter dieser Pflanzen kann man auf Madeira leicht finden und im Zimmer aufstellen, ätherische Öle bekommt man im Reformhaus. Wer also auf diese Pflanzen nicht allergisch reagiert, der kann die Öle auf die Haut auftupfen und Schalen mit Blättern oder Ölen aufstellen und herausfinden, ob die Mücken draußen bleiben. Auf jeden Fall wird das Zimmer so mit angenehmem Duft erfüllt. Doch die Pflanzenforscher betonen, dass diese Mittel keinen ausreichenden Schutz darstellen und nur zusätzlich verwendet werden sollen.

Am Ende des Urlaubs werden die Urlauber noch einmal an die Tigermücke erinnert: Damit die Ausbreitung des Virus in andere Länder verhindert wird, werden die Flugzeuge vor dem Abflug vom Service-Personal ausgesprüht

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