Die Bauern sind sauer

10. April 2013

Portugals Sparprogramm presst das Landvolk aus

eins - Reiche Bauern wie im Münsterland muss man in Portugal lange suchen. Speziell Madeiras Bauern haben meist kleine Felder in Hanglage, auf denen sie gerade einmal einen Motorpflug einsetzen können. Sonst ist alles Handarbeit. Auch die Versorgung der Kuh auf der Weide und des Schweins im Schober. Die Zicklein versorgen sich selbst, wenn man sie täglich umpflockt. Größere Bananenplantagen gibt es wohl auch auf Madeira. Meist aber gedeihen die gelben Früchte auf kleinen Parzellen und werfen keine Reichtümer ab. Die Bauern Madeiras fristen ihr Dasein mit Hilfe von Subventionen aus Brüssel. Diesem Umstand trägt nun der raffgierig gewordene portugiesische Staat mit einem Dekret Rechnung: Subventionen bekommt fortan nur, wer pro Monat EUR 120,- abführt.

Das wirkt wie ein Schlag unter die Gürtellinie. Der Staat zwingt die Bauern, sich registrieren zu lassen. Als Zuckerbrot erhalten sie für den Monatsbeitrag eine Unfallversicherung. Doch die hundertzwanzig Euro, die ein Kleinbauer schwerlich aufbringt, sind nicht alles. Vierteljährlich erwartet das Finanzamt nun eine Auflistung der verkauften Mengen und der Einnahmen von Obst, Gemüse und Fleisch. Verkauft einer gut, werden Steuern fällig. Die meisten Bauern und Bäuerinnen Madeiras sind wenig vertraut mit kaufmännischem Denken. Die Listen des Finanzamtes auszufüllen, empfinden sie als Schikane. So stehen denn morgens vor den Toren der Finanzämter ärmliche und ängstliche Menschen wie Schlachtvieh und hoffen darauf, dass der Staat ihnen nicht allen Verdienst abknöpft.

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