Der modernisierte Hafen von Funchal
Das Terminal im neugestalteten Hafen ist der Lieblingslandeplatz der Möwen

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Kampf der Tigermücke & Co.

16. März 2013

Die Ausrotter vom Dienst rücken an

Auf Madeira wachsen nicht nur Pflanzen aller Art leicht und zu beachtlicher Größe heran. Auch das in Deutschland sogenannte „Ungeziefer“ findet auf der Blumeninsel gute Lebensbedingungen. Mit dessen Bekämpfung sind zahlreiche Firmen beschäftigt. Unser Mitarbeiter Pedro Latour dos Santos machte sich über eine dieser Firmen kundig. Nicht immer ganz ernst zu nehmen hier sein Bericht.

pedro - Die Firma Extermínio (zu deutsch: Ausrottung, Vernichtung) ist Kammerjägerin im Großformat. X ist ihr Logo, Hygiene- und Pestkontrolle heißt der dazugehörige Slogan. Die Spezialisten von Extermínio besiegen alles, worauf sie angesetzt werden - das behaupten sie jedenfalls. Im Frühjahr wollen sie das Dengue-Fieber in Madeira ausradieren.

1990 gegründet, entwickelte sich Extermínio schnell zum Marktführer auf Madeira und Porto Santo. In ihrem ersten Einsatz bereitete die Firma der Rattenplage auf Porto Santo erfolgreich ein Ende. Danach rief die Familie Blandy um Hilfe. In dem pittoresken Weinkeller (Blandys Wine Lodge) im Herzen von Funchal hatte sich Ungeziefer breit gemacht. Da rückte Extermínio mit einer Desinfizierungskampagne dem Ungziefer zu Leibe. Seitdem ist der Weinkeller „clean“.
Bei dem Aufrag des Flughafenbetreibers war Fingerspitzengefühl gefragt. Es hatte sich in der Nähe der Rollbahn eine Möwenkolonie angesiedelt. Die Vögel waren eine Gefahr für die Turbinen der Flugzeuge. Extermínio behob das Problem offenbar durch einen Zaubertrick. Denn wie die Spezialisten es geschafft haben, dass die Möwen verschwanden, bleibt Betriebsgeheimnis. Man habe, so verlautet es aus der Firmenzentrale, den Möwen ein alternatives Verhalten beigebracht.....

Ob es dieselben Möwen sind, die jetzt  in der Stadt Funchal Probleme bereiten, ist unklar. Jedenfalls soll Extermínio nun die Probleme durch die Möwenplage auf dem Dach des Kreuzfahrtterminals im Hafen von Funchal lösen. Tausende von Vögeln übersäen seit der Fertigstellung des mondänen Terminals vor wenigen Jahren das Dach mit ihrem Kot. Die Vögel vom Dach zu jagen, ist die neue große Aufgabe der Firma. Und nach vollendeter Arbeit am Hafen will Extermínio sich zur Meisterleistung der Firmengeschichte aufschwingen: Extermínio soll die Insel von der Tigermücke befreien. Kostproben des Könnens haben Eindruck beim European Centre for Desease Prevention and Control (ECDC) in Oslo hinterlassen, behauptet die Firmenführung. Aus Oslo kam der Dengue-Alarm für Madeira. Extermínio hat erste exemplarische Einsätze in einschlägig betroffenen Stadtteilen Funchals durchgeführt. Nicht nur Oslo ist beeindruckt, auch Madeiras Regierung hängt sich dran und vergibt den Auftrag zum Angriff. „Wir haben die Temperatur künstlich dort reduziert, wo die Tigermücke gehäuft auftritt. Schnell bekamen wir sie unter Kontrolle“, lautet das Resümee der Vorstudien. „Wenn aber der Angriff breitflächig verlaufen muss, kommen wir um den Einsatz von Chemikalien nicht herum.“ Logisch, eine ganze Stadt ein paar Grad runterkühlen ist vermutlich unbezahlbar....Die Firmenleitung gibt sich siegesgewiss, mit einer Palette von Strategien das Dengue-Fieber aus Madeira verbannen zu können. Die Regierung gibt den Startschuss, denn Madeira mit neuen Dengue-Fällen zöge im Tourismus einen großen Einbruch nach sich.
Den Borkenkäfer, der die Palmen auffrisst, und die weiße Ameise, die antike Holzmöbel anknabbert, hat Extermínio erfolgreich bekämpft. Jetzt ist die Tigermücke im Visier der Indoor- und Outdoor-Kammerjäger. Hoffentlich beenden sie ihre größte Herausforderung bislang mit einem großen. X.

Leserbriefe

Waltraud Charne 23.03.2013 13:47

Exterminio ist sicher ein großes und erfolgreiches Unternehmen zur Ungezieferbekämpfung auf Madeira.
Aber der Palmenkäfer ist mitnichten auf Madeira ausgerottet!!!
Wir leben in Funchal und bekämpfen selbst ununterbrochen den Borkenkäfer, der unsere Palme fast umgebracht hat. Nach 5 Monaten Behandlung (nicht durch Exterminio!!!) zeigen sich jetzt erste Erfolge: neue Palmwedel wachsen nach.
Aber der Kampf einzelner wird auf Dauer nicht mit Erfolg gekrönt sein, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft zum Teil unbehandelte Palmen den Larven des Käfers weiterhin Nahrung liefern, weil die Eigentümer nicht bereit sind, monatlich in die Gesundheit ihrer Palme zu investieren, oder die Stadt in die Gesundheit der Palmen, die in freier Natur stehen und somit keinen "Verantwortlichen" besitzen.

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