In einem kleinen Wasserfall stürzt eine Levada in ein Becken
Das Wasser wird überall gesammelt und weitergeleitet

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Levadawasser wird teurer

15. Februar 2013

Die madeirensische Regierung erhöht den Nutzpreis für die Bauern um bis zu 178 Prozent

eins - In absoluten Zahlen hört sich das weniger dramatisch an: Das Deputat von einer Stunde Wasser im vierzehntägigen Turnus kostet künftig fünfzehn Euro im Jahr, bislang waren es etwa fünf Euro. Trotzdem schlägt die Verteuerung des Brauchwassers hohe Wellen.

Madeiras ausgeklügeltes Kanalsystem stellte jahrhundertelang den Bauern von April bis Oktober Wasser im Überfluss zur Verfügung. Das System funktioniert ganz einfach. Der Niederschlag des Winters wird gesammelt – über Quellen und Bäche im Gebirge und sogar auf der Nordeseite der Insel - und peu a peu in die großen Levadakanäle, die die gesamte Insel überziehen, eingespeist. Überall wachen Wasser-Wärter – Levadeiros genannt – darüber, dass die Levadas nicht verstopfen odre leck schlagen. Die Bauern, die zur Bewässerung ihrer Bananen oder des angebauten Gemüses, ein Wasserdeputat erworben haben, sind nach Regionen zusammengefaßt. Der Levadeiro stellt die Weichen für die jeweilige Region, die an einem bestimmten Tag bei der Wasserzuteilung „dran“ ist. Das heißt praktisch, er öffnet eine Schleuse von einer der großen Levadas und läßt das das Wasser über sekundäre Levadawege der Region zuströmen, die zum Beispiel alle vierzehn Tage am Montag morgen ihre Wasserzuteilung erhält. Der Levadeiro verfügt an verschiedenen Punkten dieser Region über zuverlässige Mittelsmänner, die wiederum die regionalen Weichen zur verabredeten Stunde umstellen. Den Endabnehmern wurde vorher mitgeteilt: Du, Fernando, kriegst dein Wasser von acht bis neun Uhr, Dein Nachbar Eduardo ist ab neun Uhr dran, und die Candida kommt um zehn Uhr an die Reihe. Nachmittags bedient der Levadeiro dann eine andere Region mithilfe anderer Schleusen und Gehilfen vor Ort.

Als in den Wintern 2008 und 2009 kaum Regen fiel, nahm die madeirensische Verwaltung die Klimaprognose ernst, die prophezeit, dass Madeira zukünftig mit vierzig Prozent weniger Niederschlag zu rechnen habe. Die Hauptlevadas wurden im großen Zuge abgedichtet, denn sie hatten Lecks, bei denen vierzig Prozent des Wasser verloren ging. Durch das Abdichten glaubte die madeirensische Verwaltung den klimabedingten Wasserverlust genau kompensiert zu haben. Danach kamen regenreiche Jahre und es schien alles im Lot. Im Winter 2012/2013 fällt jetzt wie schon im vergangenen Winter extrem wenig Niederschlag. Bei genauem Hinsehen stellten die Autoritäten der Insel nun fest, dass die sekundären Levadas allesamt undicht sind. Das heißt, fast die Hälfte des Brauchwassers geht auf dem Weg von der großen Levada bis auf den Acker von Eduardo, Fernando oder Candida verloren. Das Wasser versickert schlicht in der Erde. Zum Abdichten der sekundären Levadas fehlt der Verwaltung inzwischen allerdings das Geld. Deshalb nimmt sie die Bauern in die Pflicht, die dabei aber nicht mitspielen wollen.

Um die Bauern zu besänftigen, werden derzeit von offizieller Seite „Bonbons“ verteilt. Im nordwestlichen Verwaltungsbezirk Porto Moniz sind Bautrupps schon kräftig bei der Arbeit, die kleinen Levadas auszubessern. Der Dezernent für Umwelt und Landwirtschaft trumpfte Anfang Februar mit der Behauptung auf, er habe fünfzig zusätzliche Levadeiros eingestellt, um mit den Wasserzuteilungen früher im Jahr beginnen zu können. Gewöhnlich erhalten die Bauern ihr Wasser-Deputat ab April/Mai. Da der Süden Madeiras wegen fehlenden Niederschlags aktuell ausgetrocknet ist, sollen die Levada-Schleusen mithilfe des Levadeira-Sofortprogramms schon während der Winterzeit geöffnet werden.

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