Die BANIF hat zu wenig Geld

2. Februar 2013

Mit staatlicher Kapital- Infusion wird die angeschlagene madeirensische Bank am Leben erhalten

sheila - Eigentlich ist die BANIF (Banco Internacional do Funchal) ein Immobilienunternehmen geworden. Mehr als zweihundert Objekte, die die Bank ihren Kreditnehmern wegen Rückzahlungsunfähigkeit wegnahm, versucht sie derzeit loszuschlagen. Ohne akzeptablen Erfolg. Interessierte bekommen auf Madeira nur im Spießrutenlauf einen Kredit zum Immobilienerwerb eingeräumt. Der BANIF fehlt, nachdem ihr in der Vergangenheit Fehler bei der Kreditvergabe unterlaufen sind, das, was eine Bank zur Bank macht: nämlich das Geld. Deshalb muss sie nun beim Staat schnorren gehen. Und das in ungehörigem Umfang.

Bei 570 Millionen Euro liegt der Schätzwert der Bank. 1,1 Milliarden Euro braucht sie, um sich am Markt halten zu können. Und diesen Wert bekommt sie nun von einem Staat zugesprochen, der quasi bankrott ist. Die linke Opposition im portugiesischen Parlament ist aufgebracht. Die Steuererhöhungen, die der Bevölkerung aufgebrummt wurden, und auch die Einschnitte bei Weihnachts- und Urlaubsgeld sind drakonisch. Gleichzeitig wird einer Finanzmacht, die offenbar stümperhaft gewirtschaftet hat, eine Rekapitalisierung in astronomischer Höhe gewährt. Der Grund für das Einspringen des Staates liegt auf der Hand: Zwar wirtschaftet die BANIF nach privatkapitalistischem Grundsatz, der Staat verfügt aber über 99,2 Prozent des Aktienkapitals und hält ein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen von 98,7 Prozent. Diese Beteiligung soll nun zwar heruntergeschraubt werden, der Staat bleibt jedoch Hauptaktionär mit absoluter Mehrheit.

Die Arroganz, mit der Banif-Funktionäre über Jahrzehnte ihr Geschäftsgebaren begleiteten, ist dem Staatskapitalismus geschuldet, den Portugal aus der Zeit der Diktatur in die EU-Mitgliedschaft hinüber zu retten vermochte. Nun zerbricht die hochverschuldete Nation an einem aufgeblähten staatlichen Sektor, zu dem auch der Bankbesitz gehört. Die Finanzspritze in Milliardenhöhe wird vermutlich gerade dazu reichen, die Bank über dem Existenzminimum zu halten. Ob die Bank die Hilfe plus neun bis elf Prozent Zinsen an den portugiesische Staat je zurückzahlen kann, steht in den Sternen. Den Immobilienberg wird die BANIF vor ihrem Untergang nicht mehr los, weil ihr keiner mehr so recht traut.

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