"Cine" steht am Gebäude zu lesen
Das Kino von Ponta do Sol bei der Eröffnung des Mikro-Film-Festivals, auf dem Dach bereits Gäste des Sekt-Empfangs.
Dorf Ponta do Sol
Blick auf Ponta do Sol von der Terrasse des Kinos
Familie Borges
Ricardo Borges, Eigentümer des alten Kinos
Cocktail-Gäste beim Film-Festival
Mit einem Cocktail-Empfang auf der Terrasse des alten Kinos wurde das Mikro-Film-Festival eröffnet.
Festival-Gäste aus Siegen
Heiko und Sabine, Festival-Gäste aus Siegen
Kino bei Nacht
Das Kino von Ponta do Sol bei Nacht.

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Das Micro-Film-Festival auf Madeira

8. Dezember 2012

Ein Versuch, dem Klischee der Rentner-Insel zu entkommen

eins - Drei Tage Filme, Musik und Gespräche. Zwischen dem 6. und dem 8. Dezember 2012 verlieh sich das schmucke Städtchen Ponta do Sol ein internationales Flair.

Das erste Madeira Micro International Film Festival (MMIFF) begann mit einem Sekt-Empfang. Da betraten ein paar regionale VIPs das Parkett, da zeigten sich einige aus der kleinen Kultur-Szene der Insel. Und da waren unter den siebzig Anwesenden eine Menge Ausländer, vornehmlich junge Menschen aus der deutschen Independent Film Szene. Erstaunlich war, dass niemand das Wort ergriff.

Motor des Micro Film Festivals ist das Design-Hotel Estalagem da Ponta do Sol, dessen Absicht darin besteht, mit zahlreichen Kulturveranstaltungen dem alten Madeira ein frischeres Gesicht zu verpassen. Zusammen mit der Berliner Indie-Film-Plattform MUBI wurden die Besitzer eines antiken Stummfilm-Kinos in Ponta do Sol ins Boot gehievt. Der alte Bau wurde als Aufführungs- und Party-Ort modern illuminiert. Das pittoreske Dorf, das unterhalb des „Cine Sol“ (= Sonnenkino) liegt, wurde mit riesigen Scheinwerfern ausgeleuchtet, auf den gegenüberliegenden Hang wurden per Laser blaue Lichtkugeln projiziert.
Wie in einem Film von Frederico Fellini fühlten sich die Gäste in dem alten Kino von Ponta do Sol. Vor die Jugendstil-Fenster wurden dichte schwarze Rollos gehängt, doch an den Seiten bleibt ein schmaler Blick auf das Dorf im Nachmittagslicht.
Es waren täglich zwei Filme zu sehen, die von einer Jury prominenter Filmkritiker und Medienleute aus Portugal und Berlin bewertet wurden. Aus Berlin saßen in der Jury die in der Indie-Szene wirkenden Efe Cakarel und Benfeghoul Yazid. Die beiden verwenden sich expressiv für Filme, die im all üblichen Multiplex-Filmpalast nicht gezeigt werden. Dementsprechend fielen auch die in die Endausscheidung genommenen Filme ausgesprochen alternativ aus.
Der erste Festival-Abend begann mit dem Schocker „Mondomanila“: Gewaltszenen aus den Slums von Manila erschreckten die smarten Newcomer aus Deutschland. Thomas Bücker, Musikanimateur aus Münster, urteilte: „Heutzutage muss der Horror doppelt dick aufgetragen sein. Für die meisten war es zu starker Tobak.“
Am zweiten Festival-Abend erlebte das Publikum das Gegenteil: „Two Years at Sea“ von Ben Rivers war eine Geduldsprobe. 86 Minuten schwarz-weiss-Film in minutenlangen Einstellungen, unspektakuläre Naturaufnahmen, kein einziges Wort gesprochen noch geschrieben, Kino als Meditation. Und wie in einem Einführungsabend in die Meditation kicherte und gluckste es bald in den hinteren Reihen, Bücher fallen zu Boden, bei den jüngeren Festival-Gästen macht sich Ratlosigkeit breit.
Der Indie-Film will kein Kassenschlager werden. Das adelt ihn, da Kommerz nur verflachend wirkt.
Aber die Strapazen, denen das Publikum ausgesetzt wird, sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Darum gab es nach den Filmvorführungen jeweils eine After Show auf der Dachterrasse des alten Kinos. Bei bekömmlichen Sounds aus den Lautsprecherboxen und dem Rauschen des Meeres unterhalb des Gebäudes wurde bis tief in die Nacht hinein gefeiert.

Das erste Madeira Micro International Filmfestival gehörte der garstigen Avantgarde. Für das nächste Jahr wurde mit Maria de Medeiros eine populäre portugiesische Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin als Galionsfigur gewonnen, die das zweite Micro Film Festival appetitöser machen wird. Sollte ein breiteres Publikum erreicht werden, könnte das Micro Film Festival von Ponta do Sol eine Überlebenschance besitzen. Es würde dann ein periodischer Kontrapunkt zu den farbenprächtigen inselüberziehenden Folklorefesten und bereicherte Madeira mit einem jungen und ganz frischen Akzent.

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