Löschhubschrauber holt Wasser aus dem Meer
Ein Löschhubschrauber beim Einsatz in Griechenland - das wünscht sich Maria do Carmo für Madeira Bild: fotocommunity

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Carmos Brief

20. Juli 2012

Zu den aktuellen Bränden auf Madeira

car - Das Flugticket steckt schon am Spiegel, die Koffer sind gepackt – da kommen die Nachrichten von den Bränden auf Madeira. Und nun? Wieder auspacken oder trotzdem fahren?
Die Madeira-Zeitung druckt hier eine ganz persönliche E-Mail ab, die die Sekretärin Maria do Carmo aus Ponta do Sol ihrer Freundin Claudia nach Hamburg geschrieben hat.

Liebe Claudia,

nächste Woche geht Dein Flugzeug nach Madeira. Und Du fragst mich, ob Du überhaupt kommen kannst und sollst, denn Du hast im Internet die Fotos von den Bränden gesehen.
Ja, natürlich kannst Du kommen. Und sollst Du kommen! Die Brände sind schlimm, aber die Urlauber sind nicht wirklich eingeschränkt. Dass einige Wanderwege geschlossen sind (zur Zeit sind es nur die drei am Encumeada-Pass), das gibt es auch sonst manchmal. Die verbrannten Hänge sind natürlich kein schöner Anblick. Aber es gibt noch unzählige Täler, in denen es um die Wette grünt und blüht, genau wie immer, Wanderwege in den Naturschutzgebieten und an den Levadas. Der Atlantik hat schon 22 Grad, das Wetter ist schön, beständig und trocken. Pack Deinen Koffer und komm!
Davon abgesehen, ich bin traurig und wütend. Traurig um jeden verbrannten Baum. Und wütend, dass Madeira mit offenen Augen hineingeschlittert ist in dieses Chaos. Als vor zwei Jahren, im August 2010, dieses riesige Waldstück im Naturpark Funchal verbrannt ist, da haben Experten aus allen wissenschaftlichen Richtungen Vorschläge für die Brandverhütung und -bekämpfung in Zukunft gemacht. Und was ist passiert? Nichts. Ein Feuerwehrmann aus Osnabrück, den Jorge und ich in der Strandbar kennengelernt haben, hat mich gefragt, ob es Lösch-Hubschrauber gibt auf Madeira. Wo doch das Meer Löschwasser in Mengen bereit hielte. Er malte mir ein Modell auf die Serviette, wie der Hubschrauber das Wasser aufnimmt und über dem Brand wieder abgibt. Aber über Lösch-Hubschrauber reden, wenn es brennt, das ist wohl zu spät. Ich bin auch enttäuscht. Du weisst, ich liebe Madeira und bin so stolz auf meine Heimat. Du machst ja oft Deine Witzchen darüber. Aber wir Madeirenser sind Patrioten! Und nun fürchte ich, die Schönheit „meiner“ Insel leidet unter den Bränden. Gebe Gott, dass es das war, für dieses Jahr. Und hoffentlich kehrt mal etwas Vernunft ein in diese Regierung. Der Inselpräsident meint ja, Feuerbekämpfung aus der Luft wäre viel zu teuer auf Madeira und nicht geeignet für die tiefen Täler und steilen Berge. Das glaube ich aber nicht, in den Schweizer Alpen flitzen die Hubschrauber sogar zur Bergrettung herum. Und zu teuer? Was sind zwei Millionen im Vergleich zu den jetzt entstandenen Schäden. Den Verlust der Bäume kann man in Geld gar nicht aufrechnen.

Wir werden bestimmt alles noch lang und breit diskutieren, wenn Du auf der Insel bist. Ich freue mich auf Dich!

Bis nächste Woche

Carmo

Leserbriefe

Claudia Gomes 22.07.2012 22:38

Liebe Madeira Zeitung, lieber Stefan, liebe Hajni,
wieder mal ein toller Artikel, ein ehrlicher Brief, der alles sagt und ausdrueckt. Es ist nichts mehr hinzuzufuegen.
Und an alle Urlauber, die trotzdem kommen ein grosses Dankeschoen, Sie werden Ihre Entscheidung nicht bereuen. Die einfachen, so sympatischen Madeirenser haben es verdient und werden Euch alle mit einem aufrichtigen Laecheln willkommen heissen.
Ohne zu politisch zu werden nur noch folgender Satz: Nirgendwo auf der Welt ist es gut wenn eine Partei, ein Praesident zu lange an der Macht sind. Hier auf Madeira sind es nun schon weit ueber 30 Jahre. Die Ergebnisse liegen fuer jedermann, der mit offenen Augen durchs Leben geht, klar vor Augen.
Einen schoenen Urlaub auf Madeira
Claudia Gomes

stefan dreher 21.07.2012 09:03

liebe carmo,

vielen dank für deinen brief. du beschreibst die gedanken und gefühle vieler menschen, und für verunsicherte touristen ist es ein wichtiger impuls, durch ihr dennoch-kommen die folgen solcher katastrophen für eine region nicht noch schlimmer werden zu lassen.
die kurzsichtigkeit der politik, die du ansprichst, ist nicht nachzuvollziehen, hat doch madeira außer seiner wunderschönen natur nicht viele andere möglichkeiten, seine bewohner zu ernähren.
Allerdings dachte ich bisher, daß"man" sich auf einem so überschaubaren fleckchen erde kennt und die politiker nicht anonym irgendwo leben, sondern in engem kontakt mit der bevölkerung sowohl deren wünsche als auch meinungen mitbekommen über ihr treiben als volksvertreter. Und daß eure möglichkeiten, auf wichtige themen und deren durchsetzung einfluß zu nehmen, durch diese von mir vermutete "soziale kontrolle" größer wäre. Doch eine illusion?...
wir hoffen, daß die nötigen schritte für die zukunft unternommen werden, und daß der himmel eurer wunderschönen, in den letzten jahren so geschundenen insel eine erholungspause gönnt, und wir freuen uns auf morgen, den beginn unseres 2 wöchigen urlaubs bei euch.

lieben gruß, stefan und hajni

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