Bananen, Erdbeeren und Pfirsiche auf dem Tisch
Einheimisches Obst im Supermarkt

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Supermärkte auf Madeira

5. Juli 2012

Der Kampf der Giganten

eins - Den Markt auf Madeira dominieren zwei nationale Ladenketten: Pingo Doce und Continente. Der madeirensische Familienkonzern Sá verliert dagegen deutlich an Boden.

Pingo Doce und Continente unterbieten seit langem klar die Preise des Sa. Die Kundschaft läuft dem madeirensischen Anbieter davon. In einem groß angelegten Interview mit der Tageszeitung „Diario de Noticias“ bedauern die drei Söhne der Geschäftsfamilie Sá den Tod der Mutter, die dem Unternehmen nun als Rückgrat fehle. Was die Jungs verschweigen, pfeifen die Spatzen von den Dächern: nämlich dass ihr hochbetagter Vater und Firmengründer nach dem Tod der Mutter mit einer jungen Brasilianerin durchgebrannt sei. Angeblich soll er einen Großteil der Firmenbarschaft mitgenommen haben. Der einzige Supermarkt außerhalb Madeiras – der Sá von Lissabon – musste schließen. Der Bazar do Povo – ein kleines Traditionskaufhaus inmitten Funchals -, das Sá in den 90er Jahren gekauft hat, wird jetzt an chinesische Ramschhändler vermietet. Dass sie das Gebäude an die Chinesen verkaufen würden, trauen sich die drei Brüder Sá nicht öffentlich zu bekennen. Ein solcher Schritt nämlich provozierte Empörung, eventuell gar die Plünderung der verbleibenden Sá-Märkte durch aufgebrachte Massen.

Der Besitzer von Pingo Doce, Jeronimo Martins, fährt eine erfolgreiche Triple-Strategie. Pingo Doce brachte in letzter Zeit durch Sonderpreisaktionen die Ladenmauern zum Wackeln. Wer für mehr als hundert Euro einkaufte, erhielt fünfzig Prozent Preisnachlass. Der Pingo Doce- Markt von Calheta musste wegen Überfüllung zeitweise geschlossen werden. Als sich die Stahl-Tür wieder öffnete, kam ein Kneipenbesitzer erschöpft und euphorisch mit zig Einkaufswagen aus dem Lokal: „Ich habe für fünftausend Euro Whisky gekauft und zwei-fünf wiedergekriegt!“ Die Konkurrenz hat das Kartellamt angerufen, aber ehe dieses reagiert, hat Pingo Doce sicherlich weitere fünfzig-Prozent-Kampagnen durchgeführt. Der zweite Trumpf ist die zweihundert Filialen umfassende Supermarktkette, die Jeronimo Martins in Polen aufgebaut hat. Aus polnischer Produktion landen Artikel wie große Becher Fruchtjoghurt, saure Gurken, Zucker und anderes zu Tiefstpreisen auf dem portugiesischen Markt. Außerdem eröffnete Jeronimo Martins mit seiner neuen Marke „Amanhecer“ eine Art Joint Venture. Der wendige Geschäftsmann macht mit kleinen Lebensmittellädchen gemeinsame Sache und setzt darin seine eigene neue Billig-Hausmarke durch. Viele Produkte, die es bei Pingo Doce zu kaufen gibt, finden sich mit anderem Etikett und geringfügig teurer auch bei Amanhecer. Die kleinen Läden, die sich bei „Amanhecer“ einklinken, liegen oft “im Lauf“ und bedeuten damit eine ernsthafte Konkurrenz für die großen Supermärkte, die man mit dem Auto anfahren muss. Insofern greift Jeronimo Martins mit der Amanhecer-Idee seinen eigenen Pingo Doce an. Der Großunternehmer aus Lissabon erklärt jedoch: „Bei Amanhecer kauft man jeden Tag ein, zum Pingo Doce fährt man einmal wöchentlich zum Großeinkauf.“ Selbstbewusstsein hat der Mann, dessen Aktien in den vergangenen Jahren ständig gestiegen sind.

Continente kombiniert den Kapitalismus mit weiteren Elementen. Die Madeira-Zeitung berichtete bereits darüber, dass sich beim Obst- und Gemüsesortiment der Supermarkt darum bemüht, hauptsächlich Erzeugnisse von regionalen Produzenten zu vermarkten. Frische Produkte, kurze Transportwege, zufriedene Bauern und Konsumenten sind die Folge. Auch im Tierschutz engagiert sich Continente. Zusammen mit madeirensischen Tierschutzvereinen richtete der Supermarkt auf eigenem Terrain Ende Juni/Anfang Juli Sammelstellen für Tiernahrung ein. Carlos Dória von der Supermarktverwaltung beklagt, dass allein im Monat Mai dreihundert ausgesetzte Hunde und Katzen auf Madeiras Straßen aufgelesen wurden. Die Institutionen und Vereine, die sich um diese Tiere kümmern, verfügen nicht über ausreichend Geld für das Futter. Continente zeigt Unterstützungsbereitschaft. Sicherlich nützt das nicht nur den Tieren, sondern auch dem Geschäft der Kette. Vielleicht ein Versuch, dem ungebremsten Profit-Streben unserer Zeit einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz entgegen zu setzen.

Leserbriefe

Dirk Bütermann 15.07.2012 09:52

die Probleme in den Sa Märkten merkt man beim Einkauf an der eingeschränkten Auswahl und den leeren Regalen. Eine Kassierin sah sich nicht imstande, bei einem Brötcheneinkauf für 2€ auf 50€ rauszugeben. Ich habe dann mit einer Kreditkarte bezahlt.

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