Skizze vom neuen Hafen
Im Juni veröffentlichte die Tageszeitung "Diario de Noticias" diesen Entwurf

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Noch eine Anlegestelle?

20. Juni 2012

Madeira will den Hafen ausbauen

eins - Am Morgen tuckert ein riesiges Kreuzfahrtschiff in den Hafen. Es spuckt tausende von Menschen aus. Busse fahren die Passagiere über die Insel, Taxis befördern sie in die City. Besichtigen, Essen, Trinken, Shopping sind die Programmpunkte des Tages. Wenn die Passagiere abends in den Bauch ihres Schiffes zurückkehren, hat jeder Einzelne durchschnittlich siebzig Euro auf der Insel ausgegeben. Ein einträgliches Geschäft für den Einzelhandel. Aber auch die Inselverwaltung verdient sich eine goldene Nase an den Liegegebühren, die die Ozeanriesen berappen.
Madeira will darum noch mehr „Pötte“ in seinen Hafen lotsen und erwägt die Erweiterung der Hafenanlage um einen zusätzlichen Kai. Das geschieht jedoch nicht ohne Widerspruch.

Nach einem kleinen Einbruch im vergangenen Jahr boomt der Kreuzfahrttourismus auf Madeira mehr denn je. 300Tausend Passagiere gingen in den ersten fünf Monaten 2012 in Funchal für einen Tagesausflug von Bord. Es hätten sogar noch mehr sein können: Die Hafenverwaltung musste nämlich sechs Ozean-Linern das Andocken verweigern, weil die Hafenkapazität ausgeschöpft war. Wegen des Platzmangels verliert Madeira drei Millionen Euro Liegegebühren pro Jahr. Darum will die Region nachkarten und neue Parkplätze für die großen Schiffe schaffen.

Die Idee für einen neuen Kai, gegenüber des bereits existenten Anlegers, ist aus der Not geboren. Nach dem Unwetter im Februar 2010 war ein großer Teil des von den Bergen hinuntergespülten Gerölls an der Uferpromenade abgelagert worden. Die Ablagerung verunstaltet bis auf den heutigen Tag die Promenade. Die „Vagrant“ zum Beispiel – das ist die Luxusyacht, die die Beatles kurz vor ihrem Hit „Yellow Submarine“ erstanden hatten und die über einige Umwege nach Madeira gelangte, wo sie zum Restaurant umgebaut wurde - ist nun von einer Stein- und Geröllwüste umgeben und steht fürchterlich „gestrandet“ da.
Einige der Städtebauer kamen auf die Idee, diese Geröllwüste an der Uferpromenade zuzubetonieren und zur Anlegestelle für die neuesten Supermodelle der Kreuzfahrtschifffahrt herzurichten. Auf 18 Millionen Euro werden die Kosten dafür veranschlagt, die Ausbaggerung des Hafenbeckens eingeschlossen. Angeblich steht die EU mit großzügigen Fördermitteln bereit, das Projekt zu realisieren.

Kritiker machen geltend, dass sich mit dem geplanten Kai die Hafen-Ein- und Ausfahrt soweit verengen würde, dass bei Südwestwind und hohem Wellengang die Navigation schwierig, wenn nicht unmöglich würde. Und Südwestwind gibt es vor Funchal vor allem im Winter, in der Zeit, in der die meisten Kreuzfahrtschiffe hier Station machen. Und noch ein Kritikpunkt: Die Stadtverwaltung Funchals bemängelt, dass die neuesten Kreuzfahrtschiffe, direkt an der Hafenpromenade geparkt, so viele Stockwerke besitzen, dass sie die Dächer der Altstadt bei weitem überragten.

Die Debatte über die Hafenerweiterung wogt hin und her. Einigkeit besteht in allen Lagern darin, dass die unansehnliche Erdaufschüttung am Meeres-Ufer auf Dauer so nicht bestehen kann.

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