Der modernisierte Hafen von Funchal
Die weiße Röhre ist das Kernstück des neuen Hafens

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Die Vögel

21. März 2012

Mit der Möwenplage erleben Madeiras „Autoritäten“ ihren ganz persönlichen Hitchcock

sheila - Vor zwei Jahren schien alles klar. Man hatte von irgendwoher einen Falkner mit einem großen schwarzen Adler nach Madeira gebracht. Der Mann ließ einen Nachmittag lang seinen Greifvogel über der Bucht von Funchal kreisen. Und es ward keine Möwe mehr gesehen. „Wir schaffen ein Pärchen davon an, und sind fortan alle Sorgen los“, frohlockten die Stadt- und Insel-Väter. Aber aus diesen hoch fliegenden Plänen ist nichts geworden. Weiterhin wird das Dach der super-schicken neuen Kreuzfahrt-Ankunftshalle mit Möwenfäkalien übersät.

Das Protzgebäude in der Hafenanlage von Funchal besitzt ein Flachdach. Das ist ideal zum Schlafen, Rasten und Brüten. So haben denn die Möwen ohne zu zögern das Geschenk der Hafenplaner in Besitz genommen. Die Möwenpopulation wächst schnell. Inzwischen bevölkern 700 Paare Madeiras Küsten. Auf der Nachbarinsel Porto Santo zählte man gar 1600 Paare.

Sorge und Hilflosigkeit sprechen aus denn Worten von Paulo Oliveira, dem Direktor des Naturpark-Dienstes: „Die Probleme, die die Möwen verursachen, gehen weit über den sichtbaren Aspekt hinaus. Darum geht es aber auch. Ein anderer bestimmender Faktor ist die Art, wie Gebäude und Lager herunterkommen, ebenso wie der Aspekt der öffentlichen Hygiene.“

Nun aber leiten die „Autoritäten“ Madeiras einen Generalangriff auf die Möwenplage ein. Und der ist ganz einfach gestrickt: Nestraub heißt das Zauberwort. Im März paaren sich Madeiras Möwen. Folglich schwärmen Einsatzkräfte der Verwaltung zielstrebig in die großen Kolonien aus, um die befruchteten Eier einzukassieren. Mit dieser Überraschungsaktion soll auch die Möwenpopulation in den Hafenanlagen Madeira drastisch reduziert werden. Dieses ausgeklügelte Programm verspricht einiges. Meist aber brauchen Madeiras Planungsstrategen viel Zeit, um von der Theorie in die Praxis umzuschalten. Der Kampf gegen die Möwen könnte so zum Kampf gegen die Zeit werden. Bei den vielen Streichen der Madeirenser, die an die Bürger von Schilda gemahnen, wäre es denkbar, dass die amtlichen Eierjäger erst auftauchen, wenn die Jungvögel vor ihnen wegfliegen können.

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