Kleiner Laden von Jorge Sa nahe der Markthalle
Pérola dos Cafés heisst der kleine Laden
Das Geschäft wurde am 6. Januar 1956 eröffnet
Ein Messingschild erinnert an die Eröffnung des kleinen Ladens

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Vom Tellerwäscher zum Millionär. Und dann?

6. Januar 2012

Steile Karriere dank Protektionismus

röwekamp - Ein Tellerwäscher ist er wirklich nie gewesen, der Jorge Sá. Aber ein Millionär, das ist aus dem kleinen Kaufmann geworden, der 1956 die erste Kaffee-Rösterei auf Madeira eröffnet hat. Der winzige Laden „Pérola dos Cafés“ liegt auf der Rua Fernão Ornelas – nahe der Kreuzung mit den Markthallen auf der anderen Seite. Die Hausfrauen sind damals scharenweise zum Sá gepilgert. Der frischgeröstete Kaffee war der Renner in Funchal. Und die Kasse des cleveren Krämers füllte sich schnell.

Heute besitzt Jorge Sá gut ein Dutzend Supermärkte auf Madeira. Deutsche Residenten sind häufig Kunden dort: sie finden zumindest in einigen der Filialen Sauerkraut und Vollkornbrot, Matjes oder thailändische Curry-Paste. Die großen Logistik-Laster mit der Aufschrift „Sá. Die Marke der Madeirenser“ rollen über die ganze Insel und füllen die Bestände der Supermarktregale unermüdlich auf.
Doch kritische Beobachter argwöhnen, dass die Kundschaft zu anderen Supermärkten abwandert. Der Sá ist teuer im Vergleich zu Pingo Doce oder Continente. Und da Portugal in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt, drehen die Konsumenten den Cent dreimal um, bevor sie ihn ausgeben. Eingeweihte behaupten gar, Jorge Sá stecke in einer Kreditklemme, und geben keinen Pfifferling mehr auf den alten Krämer. Der Regierungspräsident Madeiras hält strikt zum Super-Sá, auch weil dieser im vergangenen Jahr gesagt hat: „Der Präsident muss weitermachen, weil Madeira ihn braucht.“ Prompt bekam der Kaufmann zu Weihnachten die Medaille „Madeirenser des Jahres“. Und, was noch schöner ist: Der Regierungspräsident gab Lidl wieder einen vor den Bug. Lidl war bereits 2002 in Madeira aufgelaufen, um – wie schon auf dem Festland von Portugal – eine Filiale nach dem aus Deutschland vertrauten Muster aufzubauen. Aus der Sicht des deutschen Discounters stellt sich das so dar: „Nach dem mühsamen und bürokratiegeladenen Weg durch die verschiedenen Verwaltungsbehörden.....wurde im Oktober 2002 das entsprechende Regionalgesetz einfach kurzer Hand ausser Kraft gesetzt, um unsere Investition zu verhindern.“ Gerade versuchte Lidl zum zweiten Mal auf Madeira Fuß zu fassen. Der Discounter holte sich wieder ein blaues Auge und kommentiert gegenüber der Madeira-Zeitung die Blockade: „Obwohl inzwischen ein neues Regionalgesetz für Handelsgenehmigungen veröffentlicht wurde, sehen wir seitens der Regionalregierung von Madeira kein Interesse und „guten Willen“ unsere Niederlassung zu genehmigen.“ Auch wenn Lidl nicht durchweg einen guten Ruf besitzt, so wissen die Madeirenser sehr wohl, dass die Preise des deutschen Discounters um fast die Hälfte unter denen des Sá liegen. Doch solche Konkurrenz wird erfolgreich sabotiert. Ob das Jorge Sá helfen wird, wird die Zukunft zeigen.

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